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Montag, 2. April 2012
Verwundet
mein.dasein, 18:07h
In meinem täglichen Kampf gegen den Antikapitalismus und das Überleben meiner Einheit, sprich Firma, im Krieg der Unternehmen stürmte ich voran. Angriff im Arbeitsmorgengrauen. Früh sein. Den Gegner packen, wenn er noch verschlafen ist. Kurz bevor die Gegenangriffe in Form von Besprechnungen, Anrufen, Störungen ein Sperrfeuer gegen das Vorankommen über den Tag legen, dass ich wenigsten ein paar Meter Boden gewonnen haben und den nächsten Schutzgraben in Sprungweite vor mir sehen kann. Sprung-Auf-Marsch-Marsch höre ich einen beklopten Bundeswehrfeldwebel hinter mir rufen, der wohlwissend, dass man so keine Kriege mehr gewinnt, uns mit Hurrageschrei übers freie Feld laufen lässt und irgend eine Freude dabei zu empfinden scheint. An diesen Irrsinn muss ich immer wieder zurückdenken. Insbesondere, wenn ich, wie jetzt, verwundet daniederliege. ich stürmte also vorann: der Zug naht schon. Ja-das-schaffe-ich-Sprung-auf. Über die Kreuzung, dann scharf links an der Säule festgehalten und die Treepe hinunter. Vorsicht, die neuen Schuhe sind noch glatt! Spurt vierzig meter durch die Unterführung, einen langsamen - der feldwebel hätte hier Zivilunke gesagt - nichtmitkämpfer überholt, dann recht die zu fünfundzwnazig Stufen der (Raucher-)Treppe (Warum eigentlich müssen die Raucher hier racuehn, statt auf dem Bahnsteig, wo sie doch die Kippen danach doch in die Gleises schmeißen?) hinauf und dann Auslaufen lassen in den Reginalexpress, der mich quasi in achtzehn Minuten nach Frankfurt beamt. Ein letzter Sprung auf die Treppe und dann kann ich mein Buch zücken und unglaublich nah und unglaublich laut die Fahrt geniesen - mein Aufatmen bevor mein digitales Schwert zücke.
Ich stehe verwundert auf dem Gleis zwischen Zug und Bahnsteig. Circa neunzig Zentimeter zu tief etwa. Keine Zeit für Panik! Schon im letzten Sprung erschien mir die Lücke zwischen der Einstiegstreppe und der Absprungkante irgendwie zu groß. Dieser blöde Regionalzug ist für tiefliegende Bahsteige gebaut und ein deutlicher Konsruktionsfehler. Der Zug wölbt sich nach außen. Das heißt, dass die unterste Stufe - drei sind es, bis die Höhe meines Bahnsteig erreicht ist - nicht betreten werden kann und lockere fünfundzwanzig Zentimeter vom Bahnsteig entfernt ist. Ich kann da gut darübersteigen, aber was macht eine ältere Person? Oder eine Person in Hektik? Oder eine im Strumangriff, so wie ich? Ich bin danebengetretenabgerutschtaufgeprallt und stehe auf dem Schotter, orientiere mich, dass der Zug nicht Türenschließenlosfahren brüllt und ziehe mich sofort an den immerhin vorhandenen Griffen (das ist ja nicht selbstverständlich bei der Bahn) hoch auf die Stufe auf der ich sowieso landen wolte und steige ein. Die Alternative a: SchreienUndStehenbleiben: war mir zu gefährlich, b: AufdenBahnsteigwältzen zu dreckig, c InsGleisbettlegenunddieZugabfahrtabwarten: zu uneinschätzbar. Ich bin also in der Bahn. Niemand scheint etwas bemerkt zu haben - weder die drei Personen am Einstieg noch jemand auf dem Bahsteig. Zumindest guckt nicht mal jemand dummfragend. Ich hätte das wenigstens getan. Ein "Alles OK?", "Jaja" hätte mich der Hilfe exkulpiert. Ich entschuldige die Personen damit, dass sie schwätzend dastanden und nichts bemerkt haben.
Jetzt atme ich erst einmal. Verdammte Zeitverschiebung. Immer brauche ich eine Woche bis ich das aufgeholt habe. Immer schon ahne ich, dass das unfallträchtig ist. Ich bin einfach morgens zu müde. Auf halber Strcke ergattere ich dann eine Sitzplatz und taste vorsichtig mein Bein ab. Feucht. Durch den Anzug feucht. Ein Taschentuch klemme ich mir unter den Strumpf, damit das Blut vom aufgeschlagenen Schienbein nicht tropft. Später findet mich ein Kollege im Waschraum beim Säubern der Wunde und sagt, ich solle doch zum Arzt gehen. Keine Fünf Minuten später steht er in meinem Büro und fragt wann ich denn Ginge. Elf Emails und vier verblüfft auf die Wunde schauende Kollegen später bin ich weg.
Der Arzt kann sich das Lachen kaum verkneifen, als ich ihn nach meiner Arbeit morgen frage: Das AmMontagsehenwirweiter-Hämatom schmerzt und schwillt. Ich kann vor Schmerzen kaum Denken. Handgroß, drei Zentimeter dick und dunkelpurpurrot ist meine äußerliche Kriegsverletzung. Hochlegenkühlen. Blutgerinselverhinderungsspritzen. Röntgen. Jodsalbe. 600er Schmerztabletten, eine für gleich. Haben Sie Gehstöcke? *Schluck*. Ergo krank.
Die andere Verletzung zeigt sich bald. Ich vegetiere schmerzmittelberuhigt vor dem Fernseher vor mich hin. schaue die letzte aufgenommene Folge Starwars. Mache mir Pläne. Schlafe. Der Fernseher läuft.Ich zappe. Trotz vierstelliger Senderzahl findet sich nichts, was mich interessiert. Die DVDs interessieren mich gerade nicht. Ich bin antriebslos. Ich lasse mich hängen; mache Dadelspiele und komme davon nicht los. Am Abend bin ich zutiefst unzufrieden. Leider mache ich am nächsten Tag so weiter. Und ich fühle mich zutiefst verwundet. Seelisch. Am Wochenende wollte ich doch die Zeit im Joggen steigern, nachdem ich zuletzt jemand zwar locker eingeholt hatte, aber dann ebenso locker vom ihm abgehängt wurde. Daraus wird nichts. Hmm. Ich bleibe auf Fronturlaublazarettheimverschickung.
Und jetzt. "Wenn von dem Hämatom noch etwas übrigbleibt, muss ein Chirurg 'ran, vorerst sind sie noch eine Woche krankgeschrieben."
Ich stehe verwundert auf dem Gleis zwischen Zug und Bahnsteig. Circa neunzig Zentimeter zu tief etwa. Keine Zeit für Panik! Schon im letzten Sprung erschien mir die Lücke zwischen der Einstiegstreppe und der Absprungkante irgendwie zu groß. Dieser blöde Regionalzug ist für tiefliegende Bahsteige gebaut und ein deutlicher Konsruktionsfehler. Der Zug wölbt sich nach außen. Das heißt, dass die unterste Stufe - drei sind es, bis die Höhe meines Bahnsteig erreicht ist - nicht betreten werden kann und lockere fünfundzwanzig Zentimeter vom Bahnsteig entfernt ist. Ich kann da gut darübersteigen, aber was macht eine ältere Person? Oder eine Person in Hektik? Oder eine im Strumangriff, so wie ich? Ich bin danebengetretenabgerutschtaufgeprallt und stehe auf dem Schotter, orientiere mich, dass der Zug nicht Türenschließenlosfahren brüllt und ziehe mich sofort an den immerhin vorhandenen Griffen (das ist ja nicht selbstverständlich bei der Bahn) hoch auf die Stufe auf der ich sowieso landen wolte und steige ein. Die Alternative a: SchreienUndStehenbleiben: war mir zu gefährlich, b: AufdenBahnsteigwältzen zu dreckig, c InsGleisbettlegenunddieZugabfahrtabwarten: zu uneinschätzbar. Ich bin also in der Bahn. Niemand scheint etwas bemerkt zu haben - weder die drei Personen am Einstieg noch jemand auf dem Bahsteig. Zumindest guckt nicht mal jemand dummfragend. Ich hätte das wenigstens getan. Ein "Alles OK?", "Jaja" hätte mich der Hilfe exkulpiert. Ich entschuldige die Personen damit, dass sie schwätzend dastanden und nichts bemerkt haben.
Jetzt atme ich erst einmal. Verdammte Zeitverschiebung. Immer brauche ich eine Woche bis ich das aufgeholt habe. Immer schon ahne ich, dass das unfallträchtig ist. Ich bin einfach morgens zu müde. Auf halber Strcke ergattere ich dann eine Sitzplatz und taste vorsichtig mein Bein ab. Feucht. Durch den Anzug feucht. Ein Taschentuch klemme ich mir unter den Strumpf, damit das Blut vom aufgeschlagenen Schienbein nicht tropft. Später findet mich ein Kollege im Waschraum beim Säubern der Wunde und sagt, ich solle doch zum Arzt gehen. Keine Fünf Minuten später steht er in meinem Büro und fragt wann ich denn Ginge. Elf Emails und vier verblüfft auf die Wunde schauende Kollegen später bin ich weg.
Der Arzt kann sich das Lachen kaum verkneifen, als ich ihn nach meiner Arbeit morgen frage: Das AmMontagsehenwirweiter-Hämatom schmerzt und schwillt. Ich kann vor Schmerzen kaum Denken. Handgroß, drei Zentimeter dick und dunkelpurpurrot ist meine äußerliche Kriegsverletzung. Hochlegenkühlen. Blutgerinselverhinderungsspritzen. Röntgen. Jodsalbe. 600er Schmerztabletten, eine für gleich. Haben Sie Gehstöcke? *Schluck*. Ergo krank.
Die andere Verletzung zeigt sich bald. Ich vegetiere schmerzmittelberuhigt vor dem Fernseher vor mich hin. schaue die letzte aufgenommene Folge Starwars. Mache mir Pläne. Schlafe. Der Fernseher läuft.Ich zappe. Trotz vierstelliger Senderzahl findet sich nichts, was mich interessiert. Die DVDs interessieren mich gerade nicht. Ich bin antriebslos. Ich lasse mich hängen; mache Dadelspiele und komme davon nicht los. Am Abend bin ich zutiefst unzufrieden. Leider mache ich am nächsten Tag so weiter. Und ich fühle mich zutiefst verwundet. Seelisch. Am Wochenende wollte ich doch die Zeit im Joggen steigern, nachdem ich zuletzt jemand zwar locker eingeholt hatte, aber dann ebenso locker vom ihm abgehängt wurde. Daraus wird nichts. Hmm. Ich bleibe auf Fronturlaublazarettheimverschickung.
Und jetzt. "Wenn von dem Hämatom noch etwas übrigbleibt, muss ein Chirurg 'ran, vorerst sind sie noch eine Woche krankgeschrieben."
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