Sorry, you need system administrator rights for that.


Mittwoch, 28. Juni 2006
Zerendipity - Teil 3
Natürlich war Zerendipity am nächsten Tag nicht in der S1. Natürlich kam am nächsten Tag keine eMail. Zu blöd. Mensch, schreib selbst. Überwinde deinen inneren Schweinehund. Nur leider konnte ich vor Arbeit kaum Luft holen. Aber immerhin hab ich auf das eMail-Konto eine Weiterleitung einrichten können, die mich dann auf meinem ständigen Zugang erreicht. Nur der Vorsorge halber.
Die S1 am Tag darauf war wieder proppenvoll. An die Tür gequetscht konnte ich auch keine Zerendipity sehen. Im Büro aber wartete eine eMail auf mich.
-------------------------------------------------------------------
Von: schokoriegel@gmx.de
Betreff: FW: Kaffee
Text: Diese Nachricht wurde automatisch weitergeleitet.
Von: zerendipity@hotmail.com
text/plain: hi schokoriegel, wollen wir uns morgen Mittag wieder zum kaffee treffen? wäre schön. 12 uhr am feinkostladen unten in der westenendstraße 1. geht das?
lg Z.
Wo ist mein Kalender? Morgen? Mittagessen mit Karin aus dem Projektmanagement; Das lässt sich verschieben. 13:00 Uhr Abstimmungsmeeting wegen der Erweiterung des Budgets des Projektes. Wichtig. Da bin ich wieder zurück. Geht!
-------------------------------------------------------------------
Von: schokoriegel@gmx.de
Betreff: Kaffee
Hi, Zerendipity,
ja 12:00 Uhr, morgen passt mir. Ich freue mich schon drauf. Fährst Du keine S-Bahn mehr?
Also bis morgen.
Gruß Schokoriegel
p.s. Keine Leute erwürgen.
-------------------------------------------------------------------
Was heißt eigentlich Zerendipity. Schnell mal googeln:
----------------------------------------------------------------------
Meinten Sie: Serendipity

Rankings
... 1011, Schneidertucke, 20, Schattenklinge, Nordmann, 0. 1012, Zerendipity, 20,
Schattenklinge, Nordmann, 0. 1013, Shyressa, 50, Schattenklinge, Kobold, 0. ...
www.3d4x.de/daoc/showranking.php?Realm=M&Server=AV&compareid=&comparelevel=&Days=&Cla... - 47k - Zusätzliches Ergebnis - Im Cache - Ähnliche Seiten
Rankings
... 0. 1024, Sinad, 20, Schattenklinge, Nordmann, 0. 1025, Zerendipity, 20, Schattenklinge,
Nordmann, 0. 1026, Shyressa, 50, Schattenklinge, Kobold, 0. ...
www.3d4x.de/daoc/showranking.php?Realm=M&Server=AV&compareid=&comparelevel=&Days=0&Cl... - 51k - Zusätzliches Ergebnis - Im Cache - Ähnliche Seiten
[ Weitere Ergebnisse von www.3d4x.de ]
-------------------------------------------------------------------
Lauter tote Links und Datenmüll. „Sie meinten Serendipity“. So geht es weiter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipity
Serendipity, manchmal Serendipity-Prinzip oder eingedeutscht Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas, das gar nicht das ursprüngliche Ziel einer Untersuchung war, das sich bei einer genauen Analyse aber als neue und überraschende Entdeckung erweist. Serendipity entspricht damit zum Teil dem deutschen Ausdruck vom "Glück (im Unglück)", allerdings liegt bei Serendipity eine zusätzliche Betonung auf "Untersuchung" oder "intelligenter Schlussfolgerung", während die deutsche Redewendung wesentlich weiter gefasst ist. Die Fähigkeit eines Menschen zu derartigen Entdeckungen wird ebenfalls als Serendipity bezeichnet. …
-------------------------------------------------------------------
So was. Eine glückliche Entdeckung. Das klingt, mh, ja, äh, wie, … Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wächst meine Spannung.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 26. Juni 2006
Zerendipity - Teil 2
Wie sich herausstellte Arbeitete sie auch in der Nähe des Bahnhofs. So konnten wir den kleine Abstecher machen. Mehr oder weniger schweigend sind wir dann im Frankfurter Hauptbahnhof bis in den MarktImBahnhof gelangt, in dessen hinterer Ecke man verschiedene Kaffees bekommen kann. Ein eigentlich hektischer Ort, aber für eine Bahnhof noch ganz passabel. Mein erstes Meeting hatte ich erst um halb Zehn, sodass ich schon noch etwas Zeit hatte. Ich würde einfach unvorbereitet dort ins Meeting gehen.
Sie holt zwei Latte Macciato von der Theke. "Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche bleibenden Schäden angerichtet habe, ist die Brille noch in Ordnung?"
"Nicht verbogener als sonst auch. Bleibende Schäden sind da wohl nicht entstanden, eher bleibende Eindrücke."
"Da bin ich noch eine Antwort schuldig: " Pause. "Fesselnd kann ich wirklich sein." Ein leichtes kurzes Anheben der Augenbrauen war zu sehen.
Wahrscheinlich habe ich meinen Kopf etwas schief gelegt, was irgendwie einer Aufforderung zum weiterreden entspricht.
"Ja, ich meine damit, dass ich mal einen Freund am Bett festgeklebt habe. Das ist jetzt zehn Jahre oder so her. Ich habe einfach das ganze Krepp und Paketband genommen und Ihn rundherum verpackt und dann liegen lassen."
Ich gucke wahrscheinlich erstaunt.
"Nur kurz. Es war einfach nur spaßig, so wie eine Kissenschlacht."
"Da hat er ganz schön Haare gelassen..."
"Nur ein paar. Er war ja in die Decke eingewickelt. Wie hätte ich ihn sonst über das Klebeband rollen sollen." Grinsen. "Das ist jetzt so zehn Jahr her. Mittlerweile hab ich jemand anderes geheiratet."
"Na ja, immerhin noch eine andere Art der Fesselung. Die habe ich auch begangen, auch wenn ich niemand dazu festkleben musste."
"Nee, das ist jetzt ein anderer."

Nun, wir unterhielten uns noch eine Weile und einen weiteren Kaffee. Die Zeit zu meiner Sitzung wurde knapp.

Ein kurzes auf die Uhr schielen zeigt 9:25, Jetzt wird es knapp.
"Ich muss leider dringend los. Ich hoffe Sie fallen nicht über alle Leute so her, sonst müssen Sei viel Kaffee trinken. Ich jeden falls brauche heute keinen mehr, aber bei Gelegenheit können sie mich wieder in der S-Bahn erwürgen."
"Das passiert mir nicht jeden Tag. Haben Sie eine eMail-Adresse?"
"Ja, klar. So etwa 15 verschiedene." Schiefes Grinsen. Welche sag ich nur? Hoffentlich geht meine Rumprobier- und Spieladresse noch.
"Hier ist meine." Sie reicht mir einen Zettel. Ich kritzele schnell eine meiner Adressen auf den Kaffeetassenuntersetzer, der zum Glück noch nicht voll gesogen ist.
"schokoriegel@gmx.de, spaßig! Vielleicht melde ich mich mal"
"Tchüss, ich muss wirklich los, die Wertschöpfungkette bereichern. Bis zum nächsten Kaffee und Danke." Kurzes HandzumGrußHebenundLosstürmen.
"Ciao!" Lächeln und schmunzeln
Loshetz!

Im schnellen Schritt schaue ich auf den Zettel:
Zerendipity@hotmail.com

Nach dem Meeting musste ich erst einmal weit unten in meiner Passwort- und Zugangsliste wühlen, um die Daten für den eMail-Account zu finden. Immerhin ging er noch. Da waren in den letzten zwei Jahren, ca. hundert Werbe-Mails aufgelaufen, die ich löschte. Jetzt war warten angesagt. Oder sollte ich sie zum Kaffee anmailen? Ich würde einfach die nächsten Tage immer 'mal hier nachsehen, falls ich es nicht vergessen sollte.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 16. Juni 2006
Stimmungsumschwung
Ob es richtig sein kann der eigenen Stimmung zu folgen - nachzugeben, hängt von der Stimmung ab. Die "Ich möchte mich in deinem Schoß vergraben"-Stimmung, ist eine Stimmung zwischen Traurigkeit und Nähesuchen. Es könnte so gut sein, jetzt im Gleichklang zu schwingen. Ja, dieser Stimmung möchte ich nachgeben. Ich möchte meine Schmerz umwandeln in Energie. Nicht in wütende, zerstörerische Energie sondern in Ekstase und Euphorie. Berührungen sollen elektrisieren.
Ich möchte mich in deinem Schoß vergraben. Ich will Trost spenden und empfangen. Die Falten in der Stimmung sollen geglättet werden. Glatt wie die Haut über die ich wandern will, straff wie die angespannten Muskeln, die ich zu kribbeln wage. Alle Unebenheiten des Alltags sollen einfach weggewischt werden können und sich in keiner Unebenheit sammeln.
Dieser Stimmung will ich nachgeben. Besser jetzt als gleich. Und mit aufgeblähten Segeln vor dem Wind und die Sonne im Rücken! Statt dessen bin ich Wertschöpfungskettengetrieben.
Ich kann den Atem auf meiner Haut spüren, wenn ich der Stimmung nachgeben würde. Jede gehauchte Atemwolke gleitet wie eine Warmwetterfront über meine nackte Haut. Ich schicke Wetterfronten zurück.
Der Schweiß könnte den Schmerz vertreiben - diese kleinen salzigen Tröpfchen auf den Poren – das Resultat der Hingabe. Die Traurigkeit soll fortgejagt werden, schnell. Schnell einen Stimmungsumschwung herbeiführen, wäre genau das was jetzt den Tag unterstützen könnte. Nur lauert irgendwo im Hintergrund dieser kleine Gedanke, das sie zurückkommt, die Stimmung. Zurückkommen könnte statt Verschwinden oder sogar verstärkt wird. Ich kann das nicht vorhersehen.
Nachgeben möchte ich der Stimmung gerne, um auszuprobieren was geschieht – aber nicht hier und nicht jetzt. Leider.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 13. Juni 2006
Löffelchenstellung
Sonntagmorgen, viel zu früh. Die Sonnenstrahlen kitzeln durch die kleinen Löcher im Rollladen meine Nase. Ich höre das gleichmäßige, ruhige Atmen neben mir. Jetzt ist genau die richtige Zeit! Meine linke Hand sucht ihren Weg unter meiner Bettdecke hervor und kriecht weiter. Da ist er Rücken. Noch schlaftrunken rolle ich nach links. Die Hand wandert nach oben zum Nacken. Ich rutsche langsam zu der anderen Bettseite hinüber, hebe die Bettdecke, die sich zwischen unseren Körpern knüllt, hoch und spüre die Wärme, die mir entgegenströmt. Ich rutsche weiter, bis mein Schoß die Pobacken neben mir erreicht. Meine Rechte Hand gleitet jetzt auch den Rücken hinauf. Langsam. Mein Glied schwillt an, nicht zu sehr; der Schlaf ist immer noch da. Herrliche Wärme fließt mir entgegen. Meine Knie finden den Weg in die Kniekehlen. Die rechte Hand findet den Bauch. Vielleicht sollte ich meine Augen öffnen. Mein Brustkorb berührt nun den Rücken. Die linke Hand hat es geschafft sich ganz sanft zwischen Hals und Schulter und Kopfkissen zu schieben. Es geht weiter an dem Oberarm entlang. Mit der Nase mache ich Kreise um einen der Nackenwirbel. Ich hauche heiße Luft in den Nacken. Der Körper vor mir räkelt sich jetzt und atmet tief ein. Der Po bewegt sich und drückt sich fester in meinen Schoß. Mein halbsteifes Glied liegt in der Lücke zwischen den Backen. Mein Lippen drücken sich zwischen die Schulterblätter. Ich sauge den Geruch der Haut in mich hinein. Meine Zehen berühren die Fußsohlen. Der Gegendruck gegen meine Körper erhöht sich. Meine rechte Hand findet ihren Weg unter dem Arm hindurch zum Busen und bleibt oberhalb der Brüste flach auf dem Solar Plexus liegen, das Handgelenk genau im Busen. Der Brustkorb hebt und senkt sich gleichmäßig. Der Rhythmus überträgt sich auf mich. Die Augen bekomme ich nicht mehr auf. Mein Atmen wird flacher und gleichmäßiger. Ich drehe meine Kopf so, dass er besser in Nacken vor mir passt. Das ist Anschmiegen in Perfektion, Assimilation zweier Körper. Die Fortsetzung der Nacht.
Zwei Stunden später werden wir gemeinsam wach. Wunderbar erholt. Entspannt. Munter. Das wird ein opulentes Frühstück.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 9. Juni 2006
Menü – eine Aufzählung
Ein Kuss, trocken
Prosecco mit Aperol, trocken
Anstoßen
Gänsestopfleber mit glasierten Apfelscheiben und Balsamico
Vernaccia di San Giminiano
In Butter gerösteter Gries-Tartuffo mit pikantem Bergkäse
Ravioli mit Pflaumen-Zimt-Füllung an einem Sugo aus Mohn und Schafskäse
Merlot D.O.C. di Friaul
Heilbutt auf Radicchio mit Polenta mit Bohnenschaum
Marsala schlürfen
Halbgefrohrenes mit Granatapfelkernen und Fruchtmusspiegel
Espresso-Ristretto an der Bar nippen
Schnell jetzt
Ledersofa, Kissen
Martini Rosso
Blazer abgelegt
Kerzen
Hemd aufgeknöpft
Jackett abgestreift
Ein langer Kuss auf die linke Brustwarze
Bluse aus dem Rock gezogen und aufgeknöpft
Hände über den Rücken unter den Bund der Hose geschoben
Schuhe weggeschnickt
Reisverschluss geöffnet, gegenseitig
BH hochgeschoben
Im Busen vergraben
Über die Knie rutschende Hose
Fallender Rock
Wie weiterkommen? Ich helfe dir.
Der String hängt noch an einem Fuß
Wie kommt der Slip über die Knie? Das geht schon.
Hände an seine Schultern
Ins kalte Leder des Sofas gepresst
Darüber gekniete Leidenschaft
Zielen, rutschen, innehalten, ausbreiten, öffnen
Ein letzter Moment des Zögerns
Jetzt!
Schau mich dabei an.
Hineingleiten, aufbäumen, weichmachen
Brüste mit den Handflächen umfangen
Becken vor- und zurückgeschaukelt
Ganz spüren wollen
„Mmmmh“
Eine Hand auf den Pobacken hält die Verbindung
Zur Seite gekippt
Über das Leder gleiten. Diese glatte Kälte tut gut
Über die Sofalehne gebeugt
Hand fährt das Rückrat hinunter und zwischen den Backen in die Tiefe
Ein langgezogenes „Uuuuaaaahhhhh“
Hineingleiten, aufbäumen, gegendrücken
Hände über den Schultern
Den Rhythmus finden
Zurücklehnen, rücklinks sitzen
Schieben, heben, stützen, nicht verlieren!
Den Rhythmus nicht verlieren, den Kontakt nicht verlieren
Ein Kuss in den Rücken
Gebiete Einhalt!
Auf den Boden rollen
Hineingleiten, umschlingen mit Armen und Beinen
Rhythmus spielt keine Rolle mehr
Gemeinsamer Höhepunkt in die Länge gezogen, aneinandergepresst, alle Muskeln angespannt
Eine Terz „Aaaahhhhh“ gemeinsam gesungen
Tränen in den Augen, außer Atem
Stilles Liegenbleiben, ineinander
Hände auf dem Po
Ein Kuss, tief, innig, saftig.
Zur Seite rollen
Lustvolles streicheln, beruhigen
Decken und Kissen finden
Einhüllen
Martini Rosso
Lachen!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 8. Juni 2006
Zerendipity - Teil 1
Die S1 Richtung Frankfurt war wieder gewohnt voll. Das ist die wohl am verlässlichsten unpünktliche Bahn im Ganzen Rhein-Main-Gebiet. Die üblichen fünf Minuten waren heute noch etwas überschritten, wodurch schon eine ganze Menge an Leuten für den nächsten Zug mit eingestiegen sind. Immerhin habe ich kann einen Sitzplatz am Gang ergattern können, was nur gelingt, wenn man sich genau dahin stellt, wo die Tür am Bahnsteig anhält. So, ich saß, Buch heraus, aufschlagen, lesen: morgendliche Routine. Die Wärme aus den Lüftungsschlitzen vertreibt auf den Sitzplätzen die winterliche Kälte einigermaßen. Immerhin ein Gangplatz. Am Fenster sitzt man gegen die kalte Außenhaut des Zuges gepresst.
In Hattersheim hatte sich die Situation noch verschärft. Die Menschen drängten sich mittlerweile im Gang. Eine Station weiter, Sindlingen, der Mann neben mir am Fenster will aussteigen. Knieheben, Geschiebe zum Gang, Bewegung in der Menge. "Entschuldigung, darf ich mal durch!". Füße treten. Ein Walkman hämmert verzerrte Hip-Hop-Beats in die Menge. Warum aufsehen, wenn das Buch so spannend ist?
Der Zug ruckt an. Eine Hand fährt direkt an meinem Ohr vorbei; es zerrt an meinem Hals. "Oh, verdammt. Äh, Entschuldigung. Ich bin hängen geblieben. Moment, ich hab's gleich." Was ist los? Der Zug ruck wieder. Die Weiche an der Ausfahrt ist tödlich für alle Freihandsteher. Die zweite Hand geht an meinem anderen Ohr vorbei. Ich fühle mich gewürgt. "Mist! Ich hänge!" Meine Brille sitzt schief. Ich sehe nur Mantel, Knöpfe, ein Schaal quer über meinem Gesicht. "Herrje, muss mir dass jetzt passieren!" Langsam werde ich mir der Situation bewusst. Die Frau, die auf den Fensterplatz wollte, ist gestolpert und hängt nun in meine dicken Wollschal mit beiden Händen auf beiden Seiten meine Kopfes fest. Sie ist über mich gebeugt und schützt sich mit den Händen an der Glasscheibe hinter mir ab. Wenn ich den Schaal zur Seite bekäme würde ich direkt in Dekoltee blicken. Ich traue mich aber nicht meine Hände zu heben. Das könnte peinlich werden. Ich will mir schließlich nicht auch noch eine Ohrfeige einfangen. Außerdem kriege ich immer noch kein Wort heraus.
"Ich, äh, Entschuldigung." Schon zum dritten mal. Ich will Luft. Immerhin rieche ich Parfüm statt Schweiß, was in der S-Bahn keine Selbstverständlichkeit ist. "Moment, ich rutsche zur Seite." Ich habe mich langsam gefangen; Herr der Lage bin ich aber nicht. Jetzt habe ich den Fensterplatz und immer noch den Kopf zwischen zwei Mantelärmeln. Wahrscheinlich gucken gerade hundert Leute. Zum Glück kann ich das nicht sehen.
Die Hände greifen hinten um meinen Kopf herum und wursteln irgendwas. "Eine Hand habe ich gleich frei! Die Knöpfe vom Ärmel hängen in Ihrem Schaal fest." Gleich sind wir in Niederrad. "Es wäre schön, wenn ich kann am Hauptbahnhof aussteigen könnte." Ein erster Versuch der verbalen Befreiung. Ich habe meine linke Hand gehoben, um meine Brille zurechtzurücken und bin direkt zwischen Mantel und Pulli gelandet. Ihre Handtasche ist mittlerweile herumgerutscht und der Schulterriemen zieht jetzt knapp vor meiner Brille vorbei.
"Ich habe die eine Hand los." Na Endlich. Ich sehe jetzt wieder etwas. Einmal tief Luftholen. Schon besser. "Oh, Ihre Brille!" Das ist ja wie bei Loriot im Flugzeug. Immerhin sitzt die Brille jetzt wieder gerade auf der Nase.
"Sind Sie bei allem so fesselnd?" Seit wann kann ich schlagfertig sein?
"Nein, nicht bei allem." Eine leichte Betonung liegt auf dem letzten Wort. "Ist Ihnen etwas passiert?"
"Nein: Gefesselt, Erwürgt, Blind, fehlt nur noch von Terroristen entführt."
"Ich muss auch am Hauptbahnhof heraus. Darf ich Sie zu einem Kaffee einladen?"

Was weiter passiert ist folgt, sowie ich wieder Zeit zum tippen habe. Hoffentlich!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 7. Juni 2006
Telephonmarketing
(Eine fast willkommene Unterbrechung der abendlichen Privatsphäre)
Telephon: kling – klingeling – klingelingling – kl
Marketingopfer: „Ja, guten Abend“
Hübschemarketingstimme: „Guten Abend. Mein Name ist Christine Unverständlichername. Ich führe für die Firma Genuscheltername eine zufällige Telefonumfrage über das Fernsehverhalten durch und möchte sie gerne fünf Minuten interviewen. Spreche ich mit Marketingopfername. “ – viel zu schnell gesprochen.
Marketingopfer: „Ja“ – noch nicht online
Hübschemarketingstimme: „Stimmen sie einem Interview zu?“ – immer noch schnell gesprochen
Marketingopfer: „Ähhh“ – es dämmert.
Hübschemarketingstimme: „Es dauert nur wenige Minuten und die Daten werden vertraulich behandelt.“
Marketingopfer: „Tja, äh, naja, …“ Eine Idee entwickelt sich.
Hübschemarketingstimme: „Die erste Frage richtet sich …“
Marketingopfer: „Garantieren Sie die Vertraulichkeit wirklich?
Hübschemarketingstimme: „Äh ja. Natürlich.
Marketingopfer: „Na dann mal los!“ *vorsichhingrinsend*
Hübschemarketingstimme: „Die erste Frage richtet sich an …“
Marketingopfer: „Wie sieht es mit den Untersuchungsergebnissen aus?“ - Erst einmal genug Zeit verbrauchen, damit sie nicht auflegt, schließlich muss sie ein Soll erfüllen.
Hübschemarketingstimme: „Diese werden im Internet unter hatetepe doppelpunkt doppelsläsch wewewe punkt genuschelterfirmenname punkt komm bereitgestellt.“
Marketingopfer: „Das heißt, ich brauche Internet?“
Hübschemarketingstimme: „Äh jaaaahhh“ - Verunsicherung in der Stimme: Hat der Trottel etwa kein Internetanschluss
Marketingopfer: „Nun gut, machen wir es so: Ich beantworte eine Frage, Sie beantworten eine Frage!“
Hübschemarketingstimme: „Was? So läuft das aber nicht.“
Marketingopfer: „Sie wollen doch eine Umfrage machen?!“
Hübschemarketingstimme: „Ja – Wollen sie nun teilnehmen?“ – Sie hat Geduld
Marketingopfer: „Sie kennen die Bedingungen.“ *schmunzel*
Hübschemarketingstimme: „Nur wenn es kurze Fragen sind.“
Marketingopfer: „Fangen sie an!“
Hübschemarketingstimme: „Die erste Frage richtet sich an ihr Fernsehgewohnheiten. Wie lange schauen Sie wöchentlich fern? Sind es a) bis zu 7 Stunden b) mehr als 7 und bis zu 14 Stunden, c) mehr als 14 bis zu 21, d) mehr als 21 bis zu 28 oder e) mehr als 28 Stunden wöchentlich?“
Marketingopfer: „Sagen wir c. Jetzt meine Frage…“
Hübschemarketingstimme: grummeln
Marketingopfer: „Wie stehen sie zu Zungenspielen?
Hübschemarketingstimme: „Waaas?“ – echt echauviert
Marketingopfer: „Zungenspiele. Wir werden uns nie begegnen. Sie können mir doch die Frage beantworten. Kennen sie »Das Schwiegen der Lämmer«? Da war es genauso. Jeder eine Frage. Also: Wie stehen sie zu Zungenspielen? Mögen sie es wenn eine Zunge um die Spitze ihren Brustwarzen kreist?
Hübschemarketingstimme: „ Äh ja, ähhhh, ich,
Marketingopfer: „Jaaaaah?“
Hübschemarketingstimme: „…eigentlich schon“
Marketingopfer: „Eigentlich?“
Hübschemarketingstimme: „Nur eine Frage. Meine zweite Frage!: Sehen sie öffentlich rechtliche Programme an: a) vorwiegend, b) überwiegend, c) teils-teils d) eher weniger oder e) selten?“
Marketingopfer: „Bee. - Meine Frage: Wenn eine Zunge um Ihre Klitoris kreist, erregt sie das sehr schnell?
Hübschemarketingstimme: „Das ist Belästigung!“
Marketingopfer: „Ja genau! Sie haben angefangen. Sie rufen mich an. Sie stören meine Privatsphäre. Sie halten mich von Dingen ab, die ich gerne tun möchte. Ist es da nicht gut einen Ausgleich zu geben?
Hübschemarketingstimme: „Aber ich will die Frage nicht beantworten.“
Marketingopfer: „Tja.“ - Pause
Hübschemarketingstimme: ???? – Wägt die verbrauchte Zeit ab
Marketingopfer: „Sie können mich gerne anlügen, das tue ich schließlich auch bei Ihren Fragen! “
Hübschemarketingstimme: „Waaas?“ -
Marketingopfer: „Was haben Sie gedacht.“
Hübschemarketingstimme: „So geht das aber nicht. Das Gespräch wird doch ausgewertet.“
Marketingopfer: „Sie wollten das vertraulich behandeln!“ Irgendwann hat sie soviel Zeit investiert, dass sie nicht aufhören wird.
Hübschemarketingstimme: „Vertraulich im Rahmen der Studie…“
Marketingopfer: „Das heißt also, dass sie Clusteranalysen über meine Antworten laufen lassen, mich mit Geodaten über die Wohngebietsstruktur verknüpfen, Werbung auf Produkte für mich zuschneiden, die ich gar nicht haben will und sie wollen mir keine Antworten auf einfache Fragen geben, die keinen Zusammenhang mit anderen Telephonmarketinggesellschaften haben.“
Hübschemarketingstimme: „Machen Sie das öfters?“
Marketingopfer: „Gehört das zur Umfrage?“
Hübschemarketingstimme: „Machen wir weiter?“
Marketingopfer: „Jaaaah.“
Hübschemarketingstimme: „Fühlen Sie Sich durch Werbung im Fernsehen _zwischen_ Sendungen gestört? a) sehr, b) häufig, c) hin-und-wieder, d) manchmal, e) nie?“ – viel zu schnell gesprochen
Marketingopfer: „Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet !“
Hübschemarketingstimme: „Nun kommen sie schon …“
Marketingopfer: „Falsche Bemerkung !“ Pause „OK, ich nehme Aaah. Wie stehen Sie zu Intimrasur. Haben sie das schon mal probiert, sind sie gerade rasiert?“ – schön langsam gesprochen.
Hübschemarketingstimme: resigniertes Luftholen.
Telephon: Klack. Aufgelegt.
Marketingopfer: „Und übrigens wollten Sie das vertraulich behandeln!“
Telephon: tuuuuuut – tuuuuuuut.
~~~~~~~~~~~
Also Vorsicht, bei Anrufen, ich bin vielleicht auf den Geschmack gekommen!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 6. Juni 2006
Alles ist im Fluss
Wohin sich auch meine Finger bewegen, ist die Begierde. Selbst an deinem kleinen Zeh ist das elektrisierende Vibrieren zu spüren. Die Fingerkuppen berühren die Haut nur unmerklich und doch stellen sich die winzigen Flaumhärchen schon auf wenn nur die Wärme der Finger in die Nähe kommt. Ich lasse die Rückseite der Fingernägel über deinen angespannten Bizeps gleiten. Die Anspannung deiner Schulterblätter zeigt mir, dass ich die richtige Stelle gefunden habe. Dein kaum vernehmliches Luftholen durch die Zähne bringt weitere Spannung in deinen Körper. Du hältst jetzt die Luft an. Du drehst dich auf den Bauch. Ich sitze über deinen Oberschenkeln und mein Daumen fahren von den Achselhöhlen an den Flanken entlang nach unten. Das ist kein Kitzeln, kein Kneifen, sondern die genau dosierte Berührung bis kurz vor dem Wegziehen wegen Überreizung. Mein kleiner Finger spielt an genau dem Punkt wo die beiden Pobacken sich trennen und das Steißbein in das Rückrat übergeht. Die andere Hand liegt ruhig und flach, weit ausgebreitet in deinem Nacken und überträgt die Wärme in dein Rückrat. Deine Oberschenkelmuskulatur spannt sich zum zerreißen an. Die Spannung in lässt diese wunderbaren kleinen Grübchen in die Pobacken auftauchen. Ich beuge mich vor um zwischen deine Schulterblätter zu hauchen. Mein Lippen berühren die Haut und meine Nase landet im Tal zwischen zwei Wirbeln. Meine beiden Hände greifen nach den Hüften. Gemeinsam rollen wir jetzt zur Seite bis du auf mir liegst. Mit einem gehauchten Ahhh atmest Du aus und gibst alle Anspannung wieder frei.
Ich weiß wie es weitergeht.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 2. Juni 2006
Losgehts - Sporadische Äußerungen
LustVollLeben
SinnHinGabe.
LeidenSchaftSinn
WonneMitGefühl
LiebesLeben
LiebeLeid
HerzBeben
BauchMitte
GefühlsTsunami

Ein SinnesTäter eben. So soll es weitergehen.

... link (0 Kommentare)   ... comment