Freitag, 16. März 2012
Kopfkreiselgedankendrehen
Es läuft manchmal ganz anders. Umwerfend. Anders umwerfend. Ich komme also zum Treffen. Und schon der erste Ton der Musik in der Kneipe trifft mich hart. Nicht mein Ton. Nicht meine Musik. Zu laut. Eigentlich sollte ich direkt umdrehen. Gehen. Aber meine Verabredungspartner sitzen da. Ich habe doch eigentlich (immer wieder dieses Wort) meine Freude an diesen Treffen. Die Musik wechselt. Ein gutes Lied. Meine Stimmung wechselt mit. Dennoch ist es zu laut für ein ordentliches Gespräch. Wir ziehen uns zurück in einen anderen Raum. Ruhe. Der Abend entwickelt sich. Ich aber bin schachmatt. Mir fällt nichts ein. Ich verfalle ein altes Muster von mir: Trübsal. Kein Wort bringe ich mehr heraus. Trübsal gepaart mit Selbstmitleid. In meinem Kopf kreist alles um sich selbst. Jeder einzelne Gedanke verschwindet in einer eigenen Kondenzstreifenkreiselstaubwolke der eigenen Drehung. Wenn diese Kreisel jetzt demnächst - also gleich - zusammenstoßen, dann weiß ich nicht mehr was ich tue. Ich muss all meine Konzentation aufbringen, um die Kreiselwolken auseinanderzuhalten. Hilfe. Der nächste Kreisel fängt an sich zu drehen. Ein Killerkreisel: Der Mach-was-um-hier-raus-zu-kommen-ganz-egal-was-Kreisel kommt an. Selbstmord, wäre die radikalste Methode. Einfach verschwinden. Puff - weg. Das ist aber kein Ausweg. Aber um herauszukommen muss ich senkrecht zur jetzigen Achse denken. Schnell. Ich stehe auf. Nicht umgewöhnlich. Jemand geht Getränke holen. Noch jemand geht kurz raus. Ich stehe stumm am Tisch. Nicht nur mein Kopf rotiert. Mein Bauch meldet sich jetzt ruhig zu Wort. Geh' und komm' nie wieder! Eindringlich. Ich stehen noch einige Minuten da. Der Tresen ist wohl voll; es kommt niemand zurück. Wenn ich jetzt gehe, sagt mein Kopf, ist es vorbei!, Du wirst nicht mehr der Alte sein. Ein Faden wird gerissen sein. Wiederanzuknüpfen wird schwierig. Ob ich mich traue wiederzukommen wird die nächste Zeit zeigen. Ich bin in der Stimmung alles hinzuschmeißen. Destuktiv - Selbstdestruktiv vor allem. Ich gehe. Keiner sieht mich. Kein Abschied. Kalt hier draußen. Vielleicht würde mich beim nächsten Mal jemand fragen warum ich weg war - wenn ich wiederkomme - falls ich wiederkomme. Autofahren wird jetzt sehr gefährlich. Ich kenne mich doch. Wenn es jetzt noch schlimmer wird, könnte mich kaum eine rote Ampel und keine Geschwindigleitsmessung mehr halten. Davor habe ich Angst. Viel Angst. Dass mein Leben vorbei sein könnte, will ich nicht. Ich will nicht ausrasten. Ich habe Glück im Trübsal. Ich fange mich. Führe Selbstgespräche. Blues bleibt. Ich schreie nicht einmal. Und keine Zweihundertsechzig auf der Autobahn. Ganz normal dahinfahren. Zu früh zuhause. Anders. Jetz muss ich daran arbeiten, wiederzukommen. Zum nächsten Treffen. Zu den umwerfenden Tönen. Zu den Fragen, wo ich plötzlich gewesen war. Die Fäden muss ich wieder knüpfen. Hoffnung.

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