Montag, 26. Juni 2006
Zerendipity - Teil 2
Wie sich herausstellte Arbeitete sie auch in der Nähe des Bahnhofs. So konnten wir den kleine Abstecher machen. Mehr oder weniger schweigend sind wir dann im Frankfurter Hauptbahnhof bis in den MarktImBahnhof gelangt, in dessen hinterer Ecke man verschiedene Kaffees bekommen kann. Ein eigentlich hektischer Ort, aber für eine Bahnhof noch ganz passabel. Mein erstes Meeting hatte ich erst um halb Zehn, sodass ich schon noch etwas Zeit hatte. Ich würde einfach unvorbereitet dort ins Meeting gehen.
Sie holt zwei Latte Macciato von der Theke. "Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche bleibenden Schäden angerichtet habe, ist die Brille noch in Ordnung?"
"Nicht verbogener als sonst auch. Bleibende Schäden sind da wohl nicht entstanden, eher bleibende Eindrücke."
"Da bin ich noch eine Antwort schuldig: " Pause. "Fesselnd kann ich wirklich sein." Ein leichtes kurzes Anheben der Augenbrauen war zu sehen.
Wahrscheinlich habe ich meinen Kopf etwas schief gelegt, was irgendwie einer Aufforderung zum weiterreden entspricht.
"Ja, ich meine damit, dass ich mal einen Freund am Bett festgeklebt habe. Das ist jetzt zehn Jahre oder so her. Ich habe einfach das ganze Krepp und Paketband genommen und Ihn rundherum verpackt und dann liegen lassen."
Ich gucke wahrscheinlich erstaunt.
"Nur kurz. Es war einfach nur spaßig, so wie eine Kissenschlacht."
"Da hat er ganz schön Haare gelassen..."
"Nur ein paar. Er war ja in die Decke eingewickelt. Wie hätte ich ihn sonst über das Klebeband rollen sollen." Grinsen. "Das ist jetzt so zehn Jahr her. Mittlerweile hab ich jemand anderes geheiratet."
"Na ja, immerhin noch eine andere Art der Fesselung. Die habe ich auch begangen, auch wenn ich niemand dazu festkleben musste."
"Nee, das ist jetzt ein anderer."

Nun, wir unterhielten uns noch eine Weile und einen weiteren Kaffee. Die Zeit zu meiner Sitzung wurde knapp.

Ein kurzes auf die Uhr schielen zeigt 9:25, Jetzt wird es knapp.
"Ich muss leider dringend los. Ich hoffe Sie fallen nicht über alle Leute so her, sonst müssen Sei viel Kaffee trinken. Ich jeden falls brauche heute keinen mehr, aber bei Gelegenheit können sie mich wieder in der S-Bahn erwürgen."
"Das passiert mir nicht jeden Tag. Haben Sie eine eMail-Adresse?"
"Ja, klar. So etwa 15 verschiedene." Schiefes Grinsen. Welche sag ich nur? Hoffentlich geht meine Rumprobier- und Spieladresse noch.
"Hier ist meine." Sie reicht mir einen Zettel. Ich kritzele schnell eine meiner Adressen auf den Kaffeetassenuntersetzer, der zum Glück noch nicht voll gesogen ist.
"schokoriegel@gmx.de, spaßig! Vielleicht melde ich mich mal"
"Tchüss, ich muss wirklich los, die Wertschöpfungkette bereichern. Bis zum nächsten Kaffee und Danke." Kurzes HandzumGrußHebenundLosstürmen.
"Ciao!" Lächeln und schmunzeln
Loshetz!

Im schnellen Schritt schaue ich auf den Zettel:
Zerendipity@hotmail.com

Nach dem Meeting musste ich erst einmal weit unten in meiner Passwort- und Zugangsliste wühlen, um die Daten für den eMail-Account zu finden. Immerhin ging er noch. Da waren in den letzten zwei Jahren, ca. hundert Werbe-Mails aufgelaufen, die ich löschte. Jetzt war warten angesagt. Oder sollte ich sie zum Kaffee anmailen? Ich würde einfach die nächsten Tage immer 'mal hier nachsehen, falls ich es nicht vergessen sollte.

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