Freitag, 30. Juni 2006
Zerendipity - Teil 5
Nach etwa dreißig Minuten waren wir dann auch aus dem zweiten Laden wieder draußen. Wir begaben und mehr oder weniger grinsend Richtung Bahnhof und erst als wir wieder dort im Kaffee angekommen waren lachten wir los.
Im Laden habe wir noch mehr oder weniger ernst. Nach etwas zögerlichem, Hinundherschauengehen wir in Richtung des ersten Regals. Von den anderen Kunden im Laden, ausschließlich Männer, dreht sich niemand um. Alle sehen vor sich auf die Auslagen. Wir landen gleich rechts neben dem Eingang vor dem Abschnitt mit den Penisimitaten. Die Atmosphäre war nicht so, dass man die Verkäuferin um Rat gefragt hätte: „Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Produkt?“. Zum Glück hat die stampfende Musik die Gespräche übertönt, sodass sonst keiner mitgehört hat, wie wir über die einzelnen Dildos gescherzt haben. Nach den Vibratoren kam die Reizwäsche, allerdings nur in einfacher Ausführung: Plastik, wenig hautfreundlich. „Nicht meine Qualität.“ hab ich Zerendipity sagen hören, „Zu viele Rüschchen.“
In der Video-Abteilung sind wir nicht wirklich lange geblieben. Hier haben wir uns langsam und ohne Kommentar in dem Gang an den Männer vorbeigedrückt. Zerendipity hat mich voraus geschoben in Richtung Magazine.
Schon beim ersten Griff hat sie das abgedrehteste Magazin erwischt und blättert darin. „Aua, bloß nichts, was weh tut.“ Weglegen. „Was suchst du aus?“ sagt sie zu mir. Ich bekomme zum Glück etwas einfacheres in die Hand. „Schon besser“ grinst sie und rempelt mich mit der Schulter. Weglegen, weiterschlendern.
Die Spezialregale wie Zerendipity sie nannte kamen als nächstes. Viel Kleinkram. Gut verpackt und wenig zu sehen. Hier muss der Aufdruck langen. Immerhin Leder oder Imitat. Befestigungsmaterial aller Art, Klemmen, Klammern und Handschellen mit oder ohne Plüsch. Halskragen, Penisringe, Spezialseife. Weiteres Befestigungsmaterial, wie aus dem Baumarkt, wie wir später feststellen, zur Ergänzung der Gürtel und Arm- und Beinschellen. Mehr oder weniger offenherzige Lederkleidung, Peitschen. Nachdem wir dies du das angeschaut und uns mit Kommentaren zwischen abstoßend oder eklig bis zu ausprobierbar und erregend geäußert haben nimmt Zerendipity eines der Päckchen. „Das hier verschenke ich. Komm bezahlen!“
Wir waren jetzt einmal im Laden herum und kamen jetzt vorbei an den Sonderangebote zur Kasse. An der Kasse hat die Verkäuferin mit Hardrock-T-Shirt und Lederhalsband nur wenig schräg vom Podest zu uns heruntergeschaut. Ich meine ein leicht Missachtung im Gesicht zu entdecken. Sie hat heute einen schlechten Tag erwischt. Wortlos Geld hingeben. Direkt neben der Kasse läuft ein Pornofilm auf einem winzigen DVD-Spieler. Kleines schwarzes Tütchen zum Verstecken des Einkaufes herausholen, so als ob alle Geschäfte der Stadt schwarze Plastiktüten hätten. „Hier haben Sie noch unseren Adventskalender“ ist einsilbig zu hören. Wir zählen schon zur Stammkundschaft. Zerendipity zahlt und verstaut die Tüte in ihrer Handtasche.
„Viel Spaß“ hören wir die Verkäuferin noch sagen.
Das Ergebnis des Einkaufes waren lederne Handfesseln. Schwarz innen und Türkis außen. Abgerundete Kanten. Jede Seite hat einen Schnapphaken der in einen Ring eingehängt wird. Die Hände haben so eine Anstand von 15 Zentimeter und können sich noch einigermaßen gegeneinander verdrehen. Ob sie auch als Fußfesseln zu gebrauchen sind, ist aber nicht klar. Auf jeden Fall lassen sich die Armbänder auch woanders einhängen.
Nachdem wir mit allem Gelächter, das wahr wahrscheinlich eher ein tennager-haftes Gekicher, über die Beobachtungen und wie unheimlich peinlich man sich fühlt, drehte sich das Gespräch natürlich um das Produkt.
„So, wie willst du deine Erwerbung einsetzen?“ wieder ernst geworden.
„Das weiß ich noch nicht. ’Mal sehen. “
„Bitte, berichte mir. Umgehend.“
„’Mal seeeehn.“ Etwas Spannung in der Stimme
„Du wirst gerade einsilbig.“
„Ich weiß noch nicht, wie ich es angehe.“
„Frei heraus sagen: ich fessle dich jetzt. Er wird dir wahrscheinlich zu Füßen liegen“
„Oh, das krieg ich nicht hin. Da mache ich erst mal langsam.“
„Und andersherum, ganz schmachtend: feeeessle mich “
„Mal sehn. Ich muss los. Die Mittagspause wird zu lang.“ Sie steht auf und zieht den Mantel an. „Es war übrigens toll mir die shoppen zu gehen. Ich habe wirklich etwas Unterstützung gebraucht.“
„Ich unterstütze dich gerne wieder. Also bericht mir von deinen Aktionen.“ Pause. „Vielleicht muss ich mir die Armbänder demnächst mal ausleihen.“
Sie grinst, winkt, entschwindet.

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