Dienstag, 30. Oktober 2007
Zerendipity – Teil 13
Ich hatte den folgenden Arbeitstag einigermaßen über die Bühne gebracht. Die Sitzungen hatte ich schon längst vorbereitet, so ich hatte an diesem Tag keine außergewöhnliche Hektik. Einzig störend war das Warten zwischen den einzelnen Tätigkeitshäppchen. Sitzungen abhandeln. Protokolle schreiben. Informationen zusammensuchen und wieder verteilen. Kommunikation in Gang halten. Telephonate. E-Mails. Direkte Gespräche. Telephonkonferenzen. Noch mehr E-Mails. Kaum durchgängige Arbeit, alles Stückwerk. Getragen wurde ich von dem Gedanken an das Treffen mit Z. So machte ich mich schließlich auch auf den Weg.
An einer Apotheke wollte ich noch Sicherheitsmaßnahmen treffen. Ich wählte ein kleines Päckchen Kondome, neutral, kein Firlefanz, passend für die Jackentasche und stand in die Kassenschlange hinter einer alten Frau, die den morbiden Feilchenparfümduft älterer Leute verströmte. Die Verkäuferin nahm die Packung, hielt sie unter den Scanner und wurde erst dann gewahr, was sie in der Hand hielt und schaute mich über die Brille hinweg mit einem Grinsen an, das mit irgendetwas zwischen Missbilligung und Amüsiertheit fragte, was ich vor hätte. Mit diesem Grinsen im Hinterkopf wühlte ich mich dann auch durch die Feierabendfußgängermassen, die zum Bahnhof strömten zum Hotel Europa, das etwas seitlich, nördlich vom Bahnhof liegt. Im Bauch eine Gefühl, das die Unbestimmtheit dessen, was heute geschehen konnte, in eine Aufgewühltheit umwandelte.
Ich traf Zerendipity gleich hinter dem Eingang zu Pianobar, wo sie gerade ihren Mantel an der Garderobe aufhängte. Wir begrüßten uns mit einem kleinen Wangenkuss und suchten uns einen der kleinen runden Glastische mit Ledersesseln, die man in so einer Hotellobby erwartet. Im Hintergrund rieselte leichte Jazzmusik aus dem Flügel. Romantisch umspielte, kaum wiedererkennbare Melodien schwangen gerade so laut im Raum, dass eine Unterhaltung mit etwas Distanz eben so möglich war. Um meine Aufgewühltheit zu dämpfen, bestellte ich mir einen Dry Martini, diese schärfere Mischung aus Gin, Wermut und grüner Olive. Zerendipity entschloss sich zu einem Froozen Strawberry Daiquiri, während wir schon mitten im Gespräch waren. Arbeit war das Thema. Der Stress. Die Mails. Hetze. Hektik. Der alltägliche Wahnsinn, der vom Leben abhält. Probleme. Das Loslassen tat gut. Loslassen der Probleme. Delegieren an die Ohren eines Anderen. Ein neues Schüsselchen Erdnüsse kam ebenso, wie die zweite Runde Cocktails. Wir waren so sehr in unser Gespräch vertieft, dass die Musik kaum zu hören war. Wund gespielte Finger am Flügel interessierten uns nicht. Zerendipity verschwand irgendwann auf die Toilette.
„Ich gehe mal meine Nase pudern.“ und ich saß da. Meine Anspannung und Aufgewühltheit war inzwischen einem wohligen Gefühl von Vertrautheit gewichen. Die Musik konnte ich aber nur hinter diesem Schleier wahrnehmen. Ich dachte – Nichts. Alles strömte nur auf mich ein.
„Ich hab ein Zimmer. Die Drinks sind bezahlt.“ flüsterte Zerendipity mir ins Ohr. Ich hatte sie nicht wiederkommen gehört. Sie hielt den Schlüssel vor meine Nase.
„Komm.“ war das einzige was sie noch sagte.
Wir nahmen unsere Mäntel, gingen von der Pianobar in die Hotellobby zu den Aufzügen, ohne in Richtung der Rezeption zu schauen, schließlich hätte man uns nach unserm nicht vorhandenen Gepäck fragen können. Schweigend, aber Schulter an Schulter gelehnt, fuhren wir nach oben.
Wir kamen in eines der üblichen Hotelzimmer ohne Luxus. Praktisch eingerichtet. Doppelbett dominierend in der Mitte. Ein lederner Sessel, wie in der Pianobar mehr zum Fenster hin. Ein Fernseher auf einem Sideboard, das in einen kleinen Schreibtisch übergeht. Kleiderschränke direkt neben dem Eingang. Alles in hell, weiß und hellen beige gehalten. Sachlich. Ein Nassbereich auf der zum Gang liegenden Seite des Zimmers. Unaufwendig. Ohne Tür.
Wir standen mitten im Raum. Verlegenheit. Wie geht es weiter! Wir standen wir unschlüssig da. Ansehen.
„Für heute ist alles für heute gesagt.“ Die Worte schwebten im Raum.
Zerendipity fing an mir das Jacket von den Schultern zu schieben. Ich machte ihre Bluse auf. Sie nestelte am meinem Gürtel herum. Ich versuchte das auch bei ihr. Sie schlüpfte aus ihren Schuhen und schnickte diese zur Seite. Ich versuchte aus meinen herauszukommen. Blöde Schürsenkel. Sie machte mein Hemd auf. Ich öffnete den Reisverschluss ihres Kostüms. Die Kleider verstreuten sich um uns herum auf dem Boden. Zum Schluss hatten wir nur noch Unterwäsche an. Ich half beim BH. Zerendipity ging einen schritt rückwärts und setzte sich in den Sessel. Sie saß da, nur noch in Frenchpants. Was für ein Anblick. Meine Erektion spannte augenblicklich den Bund der Unterhose auf.
Sie nahm die Schenkel auseinander. Atemberaubend. Ich kniete mich vor ihr hin, fuhr mit beiden Händen und abgespreizten Fingern von den Knien hinauf über die Oberschenkel. Dann über die weichen Innenseiten nach unten und packe die Oberschenkel so, dass ich Zerendipity auf mich hin ziehen konnte. Die Kniekehlen hingen über meinen Schultern. Ihre Fersen lagen auf meinem Rücken. Zerendpity saß nur noch mit einem winzigen Rest Po auf dem Sessel. Mit beiden Wangen fuhr ich gleichzeitig langsam und genüsslich an ihren beiden Schenkelinnenseiten entlang. Wieder ein Stück zurück. Mit der Nase über dem rechten Muskel entlang streichen, wobei ich meine trockenen Lippen über die Haut streichen ließ. Wieder vordringen, bis die Nase diese kitzeligen Knick zwischen Bein und Unterleib ganz weit innen berührte, wo die Naht der Frenchpants entlang lief. Mit der Nase fuhr ich direkt über die Mitte des Stoffes nach oben. Langsam. Sie zitterte ein wenig, ein Beben.
„Haaahhhhhhh, höööääärr“, sie schob den Unterkiefer mit leicht geöffnetem Mund vor. Meine Nase, meine Lippen (Mund geöffnet, sodass ich warmen Atem herausdrücken kann) und mein Unterkiefer lagen jetzt auf dem Stoff. Sie hatte die Augen ein ganz kleines bisschen zusammengekniffen und sah mich an. Ich schloss meine Augen und versuchte mich ganz auf die richtigen Stellen zu konzentrieren. Wo soll meine Zunge landen? Wo zuerst? Wie komme ich geschickt unter den Stoff?
„Ich kann nicht,“ hörte ich, als ich mich tiefer in sie hineingraben wollte „Ich bin im Kopf einfach nicht frei.“ Pause. Stillhalten. Sie grub mir die Hände in die Haare und schob meinen Kopf sanft nach hinten. So verharrten wir, schauten uns an. Pause. Erstaunen. Ich hörte das Rauschen des Verkehres draußen auf der Straße. Meine Erektion hatte sich praktisch verflüchtigt. Lachen. Verzweifelung. Verwunderung. Zerendipity hatte Tränen in den Augen und lächelte bemüht.
„Irgendwas geht schief mit uns“ bringt sie hervor. Pause „Ich - ich hab den Kopf nicht frei. Alles mögliche geht mir durch den Kopf.“
Ich befreite mich aus meiner eigentlich angenehmen Lage und setzte mich im Schneidersitz auf den Boden. Jetzt hätte ich eine Decke gebrauchen können.
„Hab Dich schon in der Apotheke gesehen.“ Verlegener Gesprächsanfang.
„Etwas zu trinken?“
„Gerne.“
Ich nahm zwei Sektpiccolos aus der Minibar, keine Gläser, und setzte mich auf das Bett, schraubte beide auf und reichte ihr den einen. Keinen Laut außer dem Pling der beiden Flaschen beim anstoßen.
„Leg dich neben mich,“ sagte ich nach einem Schluck, „so kann ich noch deine Haut spüren.“
„Gerne.“ Schon wieder: gerne. Sie nickte bedächtig und kam herüber zum Bett. Wir lösten den Überzug der rundherum unter die Matratze geklemmt war und schlüpften in die frischen Laken. Wenige Berührungen. Ich lag auf dem Rücken. Sie legte den Kopf auf meine Schulter und kuschelte sich an mich. Kopf auf Schulter. Arm auf meinem Bauch.
Nach einer halbe Stunde wurde ich vom Rauschen und Hupen des Verkehrs geweckt. Zerendipity war auch sofort wach. Mit Worten, die eine Niederlage schönzureden versuchten, zogen wir uns an. Sie würde morgen früh auf dem Weg zur Arbeit aus dem Hotel auschecken, so hätten wir keine peinlichen Blicke zu überstehen. Wie gut. Mit einer Umarmung verabschiedeten wir uns. Auf dem Weg zum Bahnhof holte ich mir noch ein belegtes Brötchen, schließlich hatte ich außer Erdnüssen noch nichts gegessen, und trat nachdenklich den Heimweg an.

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luja
kasse!!!
kannst hier auch einen Kaunter reinbauen, damit du siehst das ich nicht dein einziger Fan bin?
lg Luja

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Numbercruncher
Da gibt es irgendwwo in den Tiefen des Blogs einen der mitzählt und mir meistgelesenes anzeigt. Die Information halte ich aber - noch - für unwesentlich.

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Fangemeinde
wir warten auf Fortsetzung!!!
Lg

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