Donnerstag, 11. März 2010
ach so nett ein metabrief
eigentlich würde ich dir gerne liebesbriefe schreiben. dinge würde ich dir erzählen wollen, die meine gefühlswelt bewegen. dinge die mich immer schwach machen, weil sie mich so sehr mitnehmen, dass ich heulen können oder die mich freudig erstrahlen lassen. und dabei würde ich versuchen wollen dich in den bann der gefühle zu ziehen, die leidenschaft anstacheln, bis di elust überbordet. und dann wollte ich natürlich das spielerische abenteuer genauer fassen, das mich antreibt dir zu schreiben. die kleine verrücktheit die mich zur flucht in die liaison treibt, ohne völlig auszuflüchten wollte ich darstellen, damit ich dich gefangennehme. du willst mir zuhören, mitschrieben, gestalten, vorantreiben; das wäre mein ziel. genau weiß ich wie es sich anfühlt: die lust an den worten, dem schreiben, der darstellung, dem gelesenwerden der gespannten erwartung der reflektion , damit ich endlich in meiner erwiederung weiterführen kann, was ich mir längst ausgedacht habe.

und doch schaffe ich es nicht, weil ich dich nicht kenne. ich habe nicht den geringsten ansatzpunkt. nicht das erste wort will aus den fingern fließen. so endet alles in einem bloßen gestammel eines bewerbungsschreibens für fortgeschrittene. unkonkret, überabstrakt, ideenlos, unbeantwortbar; und doch warte ich.

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Dienstag, 12. September 2006
Schaufenstervorbeilaufen 2
Ich lief heute wieder an dem entsprechenden Schaufenster des Wäschegeschäftes vorbei, in der Erwartung, den gerade so durchsichtigen bodenlanger Rock mit den hohen, halterlosen, schwarzen Strümpfen zu sehen. Eine Frau schob sich langsam an den Schaufenster entlang. Ich ging langsamer. Sie schaute abweisend in meine Richtung, ohne mich anzusehen, wollte nicht gestört werden. Das konnte ich verstehen und ging weiter, statt stehenzubleiben. Mich neben sie zu stellen und zu schauen, passte einfach nicht. „Schöne Sachen!“ hätte ich gerne gesagt. „Das könnte Ihnen gut stehen!“ wäre mir eingefallen. Sie hätte antworten können “Ja, ich mag so etwas.“. Belanglos. Aufmunternd. Einfach freundlich. „Sagen Sie das Ihrem Freund“ wäre die Unterhaltung weiter gegangen. Ein kurzes Nicken. Ein verstehendes Grinsen. Jeder wäre seines Weges gegangen, den kleinen Reiz in den Tag mitnehmend. So aber war ich in den Gefahrenbereich der Löwin eingedrungen. Bereit zum Sprung, die Zähne fletschend. Gerade so, also ob die Unterhaltung vor einem Sexgeschäft hätte stattfinden („Der Dildo ist toll“, „Ich mag lieber den anderen!“) und die Unterhaltung von weiteren Personen hätte beobachtet worden sein können.


So in Gedanken vor mich hindenkend, musste ich leider feststellen, dass umdekoriert worden war. Bikinis statt bodenlangem schwarzem Rock mit den hohen, halterlosen, schwarzen Strümpfen. Ich trollte mich. Schade.

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Mittwoch, 6. September 2006
Schaufenstervorbeilaufen
Jeden Morgen gehe ich an einem Schaufenster vorbei. Wäschegeschäft. In einer der Ecken, ganz an die Seite gedrückt, so, dass es fast nicht zu sehen ist, steht die untere Hälfte einer Schaufensterpuppe in die Ecke gelehnt. Vergessen könnte man meinen. Alle anderen Stücke wechseln periodisch. Alle ein oder zwei Wochen ein anderes Bild. Nur diese kleine Ecke bleibt bestehen. Hohe schwarze Stümpfe mit einem Bund in Spitze, den ich für viel zu breit halte. Ein gerade so durchsichtiger bodenlanger Rock darüber. So lang, dass die Trägerin etwas höhere aber nicht zu hohe Absätze benötigt. An einer Seite bis zur Hüfte geschlitzt. Fast eine Wickelrock, jedoch nicht gewickelt; die Seiten überlappen nicht. Ich muss nur einen winzigen Augenblick hinschauen um alles zu wissen.

Die Schaufensterpuppe trägt nichts anderes. Ich stelle mir dazu die Trägerin vor. Der Film zu Kunderas „Unglaublicher Leichtigkeit des Seins“ fällt mir ein. In einer Szene trägt die Protagonistin unglaublich konsequent gerade Unterwäsche. Einfach wäre übertrieben. Nur passend. Nur für diese eine Frau. Nur diese eine Frau perfekt zur Schau stellend. Nicht obszön, sondern unglaublich erotisch. Während die Wäsche in Film aus festem Baumwollstoff bestand, muss der Stoff dem des Kleides angepasst sein. Eine feine Struktur, eine glatte Oberfläche, geschlossen, nicht zu knapp. Auf jeden Fall aber ohne Spitze. Schwarz. Nur so kann der Bund der Strümpfe bestehen.

Wer sähe darin gut aus? Ich selbst? Bestimmt nicht. Die Frau die gerade entgegenkommt. Nein, vielleicht die nächste. Das ist nicht sexistisch gemeint, nicht jeder Trägerin würde das zur förderlich sein. Der Charakter muss irgendwo zwischen verrucht und stolz, verwegen und zurückhaltend liegen. Mit gespielter Fastgleichgültigkeit. Eventuell eine Zigarette in der Hand: verwegen. Verschmolzen mit der Wäsche. So wie Prince singt: I like to dress you, I mean take you out the clothes. Vereinnahmend, nichts anderes im Raum darf mehr gelten. Das Raum-Zeit-Kontinuum bekommt eine Singularität. Der Attraktor zieht unweigerlich an und man wird in das Schwarze Loch der Gedanken gezogen. E-gleich-m-c-Quadrat. Die Masse wird in Energie umgewandelt und unendlich gedehnt. Der Raum elektrisiert um dessen neues Zentrum.

Ich träume morgen weiter. Hoffentlich wird die Schaufensterpuppe noch lange dort stehen bleiben.

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