Freitag, 14. Juli 2006
Zerendipity – Teil 7
Ich wartete also auf Antwort von Zerendipitys Nachricht und ging Donnerstag mit Arbeitskollegen auf dem Markt essen. Anfangs habe ich mich ein paar mal umgeschaut, um Zerendipity zu entdecken, aber irgendwann bin ich dann in den Gesprächen hängen geblieben. Freitag Mittag erreichte mich eine Mail:
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11:09
Von: zerendipity@hotmail.com
An: schokoriegel@gmx.de
Betreff: Treffen
Text:
Hi,
sorry wegen Donnerstag. Ich konnte wirklich nicht. Auf den Markt gehen wir dann ein andermal. Hast Du heute Abend Zeit? 18:00 Uhr im Bahnhof?
Erwartungsvoll
Zerendipity
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18:00 Uhr im Bahnhofskaffee, nach etwas Vorgeplänkel kam etwas was ich nicht erwartet hätte.
„Ich habe einen Anschlag auf dich vor.“
„Leg’ los.“
„Nun ja, äh, was ich schon immer mal wissen wollte,“ … zögern… „ist, ääh, wie es wirklich in einem Bordell ist! Nicht nur aus dem Fernsehen.“ Schuldiges Gucken, Stirnrunzeln.
„Umpf.“ Genau de richtige Reaktion auf so eine Aussage.
„Äh, ja, ich meine, alles was ich als Frau da sehe ist aus dem Drehbuch oder mehr oder weniger gestellte Reportage. Ich möchte es mal genauer wissen.“
„Und? “ Ich übe mich mal wieder in Zurückhaltung.
„Na ja, warst Du schon mal …, äh, …“
„Ähh. “ Vorsicht. Jetzt kann ja bedeuten, ‚so ein blödes Arschloch’ und nein ‚Feigling’.
„Ich beiße nicht.“
„Ja ich weiß. Nur Erwürgen. Das ist mir schon klar.“ Bloß schnell die Kurve kriegen.
„Ich hab mir überlegt, dass ich so ein“ hüsteln „Schäferstündchen sponsere.“
Fragezeichen. Das meint Sie doch nicht etwa ernst. Was will die Frau eigentlich von mir. Mich ausnutzen, mich umbringen, mich lächerlich machen?
„Ich weiß nicht, ob ich da der richtige bin.“
„Du erzählst mir alles haarklein. Es gibt auch eine Belohnung.“
Pause. Noch mehr Fragezeichen.
„Das ist nicht gerade das was ich so ständig tue. Kannst Du das nicht aus der üblichen Literatur holen: ‚Opus Pistorum’ oder ‚Stille Tage in Clichy’ von Henry Miller oder ‚Fuck Machine’ von Charles Buckowski oder so. Das lässt sich doch über einfach über Amazon bestellen und ist billiger.“
„Das ist doch nicht das gleiche. Die Erzählung Auge in Auge mit der Spannung des gerade Erlebten fehlt da.“
„‚Fox’ fällt mir da noch ein, von äh… Cagliostro."
„Wie gesagt: nicht dasselbe. Schriftstellerisch beschrieben, aber nicht erzählt. Was sind deine Bedenken? Dass das Kondom platzt? “
„Du kommst mit?“ Mehr ein Befehl als eine Frage.
„Ich glaube nicht, dass sie mich da rein lassen. Außerdem traue ich mich nicht.“
„Aha, aber ich soll…“
So ging es noch eine Zeit weiter auch wenn mittlerweile klar war was geschehen würde. Und so kam es, dass ich mit fünfzig Euro in der Hand dastand und von Zerendipity in die Richtung Taunusstraße, Elbestraße begleitet wurde.

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Dienstag, 4. Juli 2006
Zerendipity – Teil 6
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07:56
Von: schokoriegel@gmx.de
An: zerendipity@hotmail.com
Betreff: Erfolg
Text:
Hallo Zerendipity,
das war wirklich ein lustiger und spannender Einkauf. Konntest Du Entspannung finden bzw. hast Du Erfolg mit Deiner Errungenschaft gehabt? Ich harre gespannt auf Deinen Bereicht.
Gruß Schokoriegel
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10:23
Von: zerendipity@hotmail.com
An: schokoriegel@gmx.de
Betreff: AW: Erfolg
Text:
reHallo mein Schokoriegel,
kein Erfolg !!! Falsche Zeitpunkt. Bin in Eile. Melde mich.
LG Z
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13:01
Von: schokoriegel@gmx.de
An: zerendipity@hotmail.com
Betreff: AW: AW: Erfolg
Text:
Hallo Zerendipity,
Mach nicht so viele Überstunden. Bereite den Abend vor.
Schöne Grüße
Schokoriegel
p.s. Wann gehen wir wieder Einkaufen ?-)
p.p.s: Am Donnerstag ist wieder Markt in der Kaiserstraße; wie wäre es mit einem gemeinsamen Mittagessen? Es gibt Bratwurst, Flammkuchen Pizza, Döner, …
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19:27
Von: zerendipity@hotmail.com
An: schokoriegel@gmx.de
Betreff: AW: AW: AW: Erfolg
Text:
hi, donnerstag? weiß noch nicht. wäre schön, komm aber wohl hier nicht weg. ich sag bescheid. gru z.
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Was geht hier vor? Ausgenutzt und abgemeldet? Immer wieder das Gleiche. stürmischer Anfang und dann aus. Hat sie so viel zu tun? Macht sie das mit allen Männern so? Andererseits gibt es keine Verpflichtung. Wieso frage ich mich das überhaupt? Was will ich selbst? Ist sie mir wichtig? Soll ich besser abwarten? Schreibe ich weitere Mails? Verdammt! Wenn ich schon so anfange zu denken, dann gewinnt mein Bauch über meine Kopf. Aber macht er das nicht sowieso immer? Tief Luftholen, bis zehn zählen.

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Freitag, 30. Juni 2006
Zerendipity - Teil 5
Nach etwa dreißig Minuten waren wir dann auch aus dem zweiten Laden wieder draußen. Wir begaben und mehr oder weniger grinsend Richtung Bahnhof und erst als wir wieder dort im Kaffee angekommen waren lachten wir los.
Im Laden habe wir noch mehr oder weniger ernst. Nach etwas zögerlichem, Hinundherschauengehen wir in Richtung des ersten Regals. Von den anderen Kunden im Laden, ausschließlich Männer, dreht sich niemand um. Alle sehen vor sich auf die Auslagen. Wir landen gleich rechts neben dem Eingang vor dem Abschnitt mit den Penisimitaten. Die Atmosphäre war nicht so, dass man die Verkäuferin um Rat gefragt hätte: „Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Produkt?“. Zum Glück hat die stampfende Musik die Gespräche übertönt, sodass sonst keiner mitgehört hat, wie wir über die einzelnen Dildos gescherzt haben. Nach den Vibratoren kam die Reizwäsche, allerdings nur in einfacher Ausführung: Plastik, wenig hautfreundlich. „Nicht meine Qualität.“ hab ich Zerendipity sagen hören, „Zu viele Rüschchen.“
In der Video-Abteilung sind wir nicht wirklich lange geblieben. Hier haben wir uns langsam und ohne Kommentar in dem Gang an den Männer vorbeigedrückt. Zerendipity hat mich voraus geschoben in Richtung Magazine.
Schon beim ersten Griff hat sie das abgedrehteste Magazin erwischt und blättert darin. „Aua, bloß nichts, was weh tut.“ Weglegen. „Was suchst du aus?“ sagt sie zu mir. Ich bekomme zum Glück etwas einfacheres in die Hand. „Schon besser“ grinst sie und rempelt mich mit der Schulter. Weglegen, weiterschlendern.
Die Spezialregale wie Zerendipity sie nannte kamen als nächstes. Viel Kleinkram. Gut verpackt und wenig zu sehen. Hier muss der Aufdruck langen. Immerhin Leder oder Imitat. Befestigungsmaterial aller Art, Klemmen, Klammern und Handschellen mit oder ohne Plüsch. Halskragen, Penisringe, Spezialseife. Weiteres Befestigungsmaterial, wie aus dem Baumarkt, wie wir später feststellen, zur Ergänzung der Gürtel und Arm- und Beinschellen. Mehr oder weniger offenherzige Lederkleidung, Peitschen. Nachdem wir dies du das angeschaut und uns mit Kommentaren zwischen abstoßend oder eklig bis zu ausprobierbar und erregend geäußert haben nimmt Zerendipity eines der Päckchen. „Das hier verschenke ich. Komm bezahlen!“
Wir waren jetzt einmal im Laden herum und kamen jetzt vorbei an den Sonderangebote zur Kasse. An der Kasse hat die Verkäuferin mit Hardrock-T-Shirt und Lederhalsband nur wenig schräg vom Podest zu uns heruntergeschaut. Ich meine ein leicht Missachtung im Gesicht zu entdecken. Sie hat heute einen schlechten Tag erwischt. Wortlos Geld hingeben. Direkt neben der Kasse läuft ein Pornofilm auf einem winzigen DVD-Spieler. Kleines schwarzes Tütchen zum Verstecken des Einkaufes herausholen, so als ob alle Geschäfte der Stadt schwarze Plastiktüten hätten. „Hier haben Sie noch unseren Adventskalender“ ist einsilbig zu hören. Wir zählen schon zur Stammkundschaft. Zerendipity zahlt und verstaut die Tüte in ihrer Handtasche.
„Viel Spaß“ hören wir die Verkäuferin noch sagen.
Das Ergebnis des Einkaufes waren lederne Handfesseln. Schwarz innen und Türkis außen. Abgerundete Kanten. Jede Seite hat einen Schnapphaken der in einen Ring eingehängt wird. Die Hände haben so eine Anstand von 15 Zentimeter und können sich noch einigermaßen gegeneinander verdrehen. Ob sie auch als Fußfesseln zu gebrauchen sind, ist aber nicht klar. Auf jeden Fall lassen sich die Armbänder auch woanders einhängen.
Nachdem wir mit allem Gelächter, das wahr wahrscheinlich eher ein tennager-haftes Gekicher, über die Beobachtungen und wie unheimlich peinlich man sich fühlt, drehte sich das Gespräch natürlich um das Produkt.
„So, wie willst du deine Erwerbung einsetzen?“ wieder ernst geworden.
„Das weiß ich noch nicht. ’Mal sehen. “
„Bitte, berichte mir. Umgehend.“
„’Mal seeeehn.“ Etwas Spannung in der Stimme
„Du wirst gerade einsilbig.“
„Ich weiß noch nicht, wie ich es angehe.“
„Frei heraus sagen: ich fessle dich jetzt. Er wird dir wahrscheinlich zu Füßen liegen“
„Oh, das krieg ich nicht hin. Da mache ich erst mal langsam.“
„Und andersherum, ganz schmachtend: feeeessle mich “
„Mal sehn. Ich muss los. Die Mittagspause wird zu lang.“ Sie steht auf und zieht den Mantel an. „Es war übrigens toll mir die shoppen zu gehen. Ich habe wirklich etwas Unterstützung gebraucht.“
„Ich unterstütze dich gerne wieder. Also bericht mir von deinen Aktionen.“ Pause. „Vielleicht muss ich mir die Armbänder demnächst mal ausleihen.“
Sie grinst, winkt, entschwindet.

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Donnerstag, 29. Juni 2006
Zerendipity - Teil 4
11:45. Speichern. Rechner sperren. „Ich geh heute wo anders essen. Tschöö.“ MantelanziehundausdemRaumstehl. Kurz Hände Waschen gehen. Zugangskarte wegstecken.
Jetzt nur nicht hetzen. Eineinhalb Kilometer Fußmarsch liegen vor mir. Trübes Wetter, kalt, windig, aber immerhin regnet es nicht. Es ist schon komisch, dass mir ein Kaffeetrinken den Puls steigen lässt. Ja, ich weiß ja, eine Unbekannte mit Namen Zenrendipity. Nett. Quirliger erster Eindruck. Was will ich eigentlich? Noch zehn Minuten. Und hör jetzt mit den Selbstgesprächen auf! Meine Ohren werden kalt. Wahrscheinlich bin ich doch abgehetzt. Wahrscheinlich ist sie sowieso zu spät.
Noch zwei Ecken. Umschauen. Hier läuft sie nirgends herum. Da kommt die Westeendstraße. Da kann man einen Kaffee trinken? Sieht irgendwie nicht so aus. Durch die Fenster kann ich sie nicht entdecken. Langsamer, damit der Puls sich legt.
„Hallo!“, das ist ihre Stimme. Hinter mir.
„Hallo, ganz schön windig. Willst Du hier rein?“
„Ja, der Espresso wartet. Ich hol’ mir auch ein Focaccia. Die sind hier gut.“
Allgemeines Gerede. Der Espresso richt gut. Ich hab den Mund voll vom getoastetem Brot, Salat, Schinken, Tomate und bekomme immer nur kleine Sätze heraus. Die Hektik hat mich noch nicht verlassen.
„Ich wollte dich fragen, ob du mir beim Einkaufen behilflich sein kannst?“
„mpfja, mgerme“
„Alleine traue ich mich nicht. Spielzeug zu kaufen. “ Räusper.
Fragezeichen. Komischguck. „Spielzeug?“ Spielzeug… ich glaube mir schwant da was. „Äh, ja, durchaus…“ Mein Magen fühlt sich schon wieder überrumpelt.
„jehetzt?“ Grinsen und den Kopf leicht nach unten neigen. Sie hält sich die Hand leicht offen vor den Mund.
Ich habe mein Sandwich gerade fertig. „Warum ich?“
„Wie gesagt, alleine traue ich mich nicht und Du bist für mich unverfänglich, weil du ja sonst um mich herum nichts kennst. Du kannst nichts verraten. Und du wirkst so als würdest du mit gehen.“ Schmeichel.
„Aha, und damit meine ich keine Musikgruppe.“ Ich fühle mich über den Tisch gezogen, da ich genau weiß, dass ich mitgehe.
„Biiiiitte. Das ist spannend.“
So waren wir also drei Minuten später auf dem Weg. Wenn ich abends zum Bahnhof hetzte, sehe ich Leute mit hochgeschlagenem Kragen und zügigem Schritt in die entsprechenden Läden einbiegen oder herauskommen und gradewegs Abstand gewinnen. Ich jetzt bin ich mit einer fast unbekannten Frau dorthin unterwegs.
Sie hat mittlerweile eine Baseballmütze auf, und die Haare, zu einem Pferdeschwanz gebunden, hinten durch die Größenverstellung gezogen. Die Mütze sitzt tief im Gesicht. Wir steuern auf Dr. Müller zu.

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Mittwoch, 28. Juni 2006
Zerendipity - Teil 3
Natürlich war Zerendipity am nächsten Tag nicht in der S1. Natürlich kam am nächsten Tag keine eMail. Zu blöd. Mensch, schreib selbst. Überwinde deinen inneren Schweinehund. Nur leider konnte ich vor Arbeit kaum Luft holen. Aber immerhin hab ich auf das eMail-Konto eine Weiterleitung einrichten können, die mich dann auf meinem ständigen Zugang erreicht. Nur der Vorsorge halber.
Die S1 am Tag darauf war wieder proppenvoll. An die Tür gequetscht konnte ich auch keine Zerendipity sehen. Im Büro aber wartete eine eMail auf mich.
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Von: schokoriegel@gmx.de
Betreff: FW: Kaffee
Text: Diese Nachricht wurde automatisch weitergeleitet.
Von: zerendipity@hotmail.com
text/plain: hi schokoriegel, wollen wir uns morgen Mittag wieder zum kaffee treffen? wäre schön. 12 uhr am feinkostladen unten in der westenendstraße 1. geht das?
lg Z.
Wo ist mein Kalender? Morgen? Mittagessen mit Karin aus dem Projektmanagement; Das lässt sich verschieben. 13:00 Uhr Abstimmungsmeeting wegen der Erweiterung des Budgets des Projektes. Wichtig. Da bin ich wieder zurück. Geht!
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Von: schokoriegel@gmx.de
Betreff: Kaffee
Hi, Zerendipity,
ja 12:00 Uhr, morgen passt mir. Ich freue mich schon drauf. Fährst Du keine S-Bahn mehr?
Also bis morgen.
Gruß Schokoriegel
p.s. Keine Leute erwürgen.
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Was heißt eigentlich Zerendipity. Schnell mal googeln:
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Meinten Sie: Serendipity

Rankings
... 1011, Schneidertucke, 20, Schattenklinge, Nordmann, 0. 1012, Zerendipity, 20,
Schattenklinge, Nordmann, 0. 1013, Shyressa, 50, Schattenklinge, Kobold, 0. ...
www.3d4x.de/daoc/showranking.php?Realm=M&Server=AV&compareid=&comparelevel=&Days=&Cla... - 47k - Zusätzliches Ergebnis - Im Cache - Ähnliche Seiten
Rankings
... 0. 1024, Sinad, 20, Schattenklinge, Nordmann, 0. 1025, Zerendipity, 20, Schattenklinge,
Nordmann, 0. 1026, Shyressa, 50, Schattenklinge, Kobold, 0. ...
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Lauter tote Links und Datenmüll. „Sie meinten Serendipity“. So geht es weiter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipity
Serendipity, manchmal Serendipity-Prinzip oder eingedeutscht Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas, das gar nicht das ursprüngliche Ziel einer Untersuchung war, das sich bei einer genauen Analyse aber als neue und überraschende Entdeckung erweist. Serendipity entspricht damit zum Teil dem deutschen Ausdruck vom "Glück (im Unglück)", allerdings liegt bei Serendipity eine zusätzliche Betonung auf "Untersuchung" oder "intelligenter Schlussfolgerung", während die deutsche Redewendung wesentlich weiter gefasst ist. Die Fähigkeit eines Menschen zu derartigen Entdeckungen wird ebenfalls als Serendipity bezeichnet. …
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So was. Eine glückliche Entdeckung. Das klingt, mh, ja, äh, wie, … Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wächst meine Spannung.

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Montag, 26. Juni 2006
Zerendipity - Teil 2
Wie sich herausstellte Arbeitete sie auch in der Nähe des Bahnhofs. So konnten wir den kleine Abstecher machen. Mehr oder weniger schweigend sind wir dann im Frankfurter Hauptbahnhof bis in den MarktImBahnhof gelangt, in dessen hinterer Ecke man verschiedene Kaffees bekommen kann. Ein eigentlich hektischer Ort, aber für eine Bahnhof noch ganz passabel. Mein erstes Meeting hatte ich erst um halb Zehn, sodass ich schon noch etwas Zeit hatte. Ich würde einfach unvorbereitet dort ins Meeting gehen.
Sie holt zwei Latte Macciato von der Theke. "Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche bleibenden Schäden angerichtet habe, ist die Brille noch in Ordnung?"
"Nicht verbogener als sonst auch. Bleibende Schäden sind da wohl nicht entstanden, eher bleibende Eindrücke."
"Da bin ich noch eine Antwort schuldig: " Pause. "Fesselnd kann ich wirklich sein." Ein leichtes kurzes Anheben der Augenbrauen war zu sehen.
Wahrscheinlich habe ich meinen Kopf etwas schief gelegt, was irgendwie einer Aufforderung zum weiterreden entspricht.
"Ja, ich meine damit, dass ich mal einen Freund am Bett festgeklebt habe. Das ist jetzt zehn Jahre oder so her. Ich habe einfach das ganze Krepp und Paketband genommen und Ihn rundherum verpackt und dann liegen lassen."
Ich gucke wahrscheinlich erstaunt.
"Nur kurz. Es war einfach nur spaßig, so wie eine Kissenschlacht."
"Da hat er ganz schön Haare gelassen..."
"Nur ein paar. Er war ja in die Decke eingewickelt. Wie hätte ich ihn sonst über das Klebeband rollen sollen." Grinsen. "Das ist jetzt so zehn Jahr her. Mittlerweile hab ich jemand anderes geheiratet."
"Na ja, immerhin noch eine andere Art der Fesselung. Die habe ich auch begangen, auch wenn ich niemand dazu festkleben musste."
"Nee, das ist jetzt ein anderer."

Nun, wir unterhielten uns noch eine Weile und einen weiteren Kaffee. Die Zeit zu meiner Sitzung wurde knapp.

Ein kurzes auf die Uhr schielen zeigt 9:25, Jetzt wird es knapp.
"Ich muss leider dringend los. Ich hoffe Sie fallen nicht über alle Leute so her, sonst müssen Sei viel Kaffee trinken. Ich jeden falls brauche heute keinen mehr, aber bei Gelegenheit können sie mich wieder in der S-Bahn erwürgen."
"Das passiert mir nicht jeden Tag. Haben Sie eine eMail-Adresse?"
"Ja, klar. So etwa 15 verschiedene." Schiefes Grinsen. Welche sag ich nur? Hoffentlich geht meine Rumprobier- und Spieladresse noch.
"Hier ist meine." Sie reicht mir einen Zettel. Ich kritzele schnell eine meiner Adressen auf den Kaffeetassenuntersetzer, der zum Glück noch nicht voll gesogen ist.
"schokoriegel@gmx.de, spaßig! Vielleicht melde ich mich mal"
"Tchüss, ich muss wirklich los, die Wertschöpfungkette bereichern. Bis zum nächsten Kaffee und Danke." Kurzes HandzumGrußHebenundLosstürmen.
"Ciao!" Lächeln und schmunzeln
Loshetz!

Im schnellen Schritt schaue ich auf den Zettel:
Zerendipity@hotmail.com

Nach dem Meeting musste ich erst einmal weit unten in meiner Passwort- und Zugangsliste wühlen, um die Daten für den eMail-Account zu finden. Immerhin ging er noch. Da waren in den letzten zwei Jahren, ca. hundert Werbe-Mails aufgelaufen, die ich löschte. Jetzt war warten angesagt. Oder sollte ich sie zum Kaffee anmailen? Ich würde einfach die nächsten Tage immer 'mal hier nachsehen, falls ich es nicht vergessen sollte.

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Donnerstag, 8. Juni 2006
Zerendipity - Teil 1
Die S1 Richtung Frankfurt war wieder gewohnt voll. Das ist die wohl am verlässlichsten unpünktliche Bahn im Ganzen Rhein-Main-Gebiet. Die üblichen fünf Minuten waren heute noch etwas überschritten, wodurch schon eine ganze Menge an Leuten für den nächsten Zug mit eingestiegen sind. Immerhin habe ich kann einen Sitzplatz am Gang ergattern können, was nur gelingt, wenn man sich genau dahin stellt, wo die Tür am Bahnsteig anhält. So, ich saß, Buch heraus, aufschlagen, lesen: morgendliche Routine. Die Wärme aus den Lüftungsschlitzen vertreibt auf den Sitzplätzen die winterliche Kälte einigermaßen. Immerhin ein Gangplatz. Am Fenster sitzt man gegen die kalte Außenhaut des Zuges gepresst.
In Hattersheim hatte sich die Situation noch verschärft. Die Menschen drängten sich mittlerweile im Gang. Eine Station weiter, Sindlingen, der Mann neben mir am Fenster will aussteigen. Knieheben, Geschiebe zum Gang, Bewegung in der Menge. "Entschuldigung, darf ich mal durch!". Füße treten. Ein Walkman hämmert verzerrte Hip-Hop-Beats in die Menge. Warum aufsehen, wenn das Buch so spannend ist?
Der Zug ruckt an. Eine Hand fährt direkt an meinem Ohr vorbei; es zerrt an meinem Hals. "Oh, verdammt. Äh, Entschuldigung. Ich bin hängen geblieben. Moment, ich hab's gleich." Was ist los? Der Zug ruck wieder. Die Weiche an der Ausfahrt ist tödlich für alle Freihandsteher. Die zweite Hand geht an meinem anderen Ohr vorbei. Ich fühle mich gewürgt. "Mist! Ich hänge!" Meine Brille sitzt schief. Ich sehe nur Mantel, Knöpfe, ein Schaal quer über meinem Gesicht. "Herrje, muss mir dass jetzt passieren!" Langsam werde ich mir der Situation bewusst. Die Frau, die auf den Fensterplatz wollte, ist gestolpert und hängt nun in meine dicken Wollschal mit beiden Händen auf beiden Seiten meine Kopfes fest. Sie ist über mich gebeugt und schützt sich mit den Händen an der Glasscheibe hinter mir ab. Wenn ich den Schaal zur Seite bekäme würde ich direkt in Dekoltee blicken. Ich traue mich aber nicht meine Hände zu heben. Das könnte peinlich werden. Ich will mir schließlich nicht auch noch eine Ohrfeige einfangen. Außerdem kriege ich immer noch kein Wort heraus.
"Ich, äh, Entschuldigung." Schon zum dritten mal. Ich will Luft. Immerhin rieche ich Parfüm statt Schweiß, was in der S-Bahn keine Selbstverständlichkeit ist. "Moment, ich rutsche zur Seite." Ich habe mich langsam gefangen; Herr der Lage bin ich aber nicht. Jetzt habe ich den Fensterplatz und immer noch den Kopf zwischen zwei Mantelärmeln. Wahrscheinlich gucken gerade hundert Leute. Zum Glück kann ich das nicht sehen.
Die Hände greifen hinten um meinen Kopf herum und wursteln irgendwas. "Eine Hand habe ich gleich frei! Die Knöpfe vom Ärmel hängen in Ihrem Schaal fest." Gleich sind wir in Niederrad. "Es wäre schön, wenn ich kann am Hauptbahnhof aussteigen könnte." Ein erster Versuch der verbalen Befreiung. Ich habe meine linke Hand gehoben, um meine Brille zurechtzurücken und bin direkt zwischen Mantel und Pulli gelandet. Ihre Handtasche ist mittlerweile herumgerutscht und der Schulterriemen zieht jetzt knapp vor meiner Brille vorbei.
"Ich habe die eine Hand los." Na Endlich. Ich sehe jetzt wieder etwas. Einmal tief Luftholen. Schon besser. "Oh, Ihre Brille!" Das ist ja wie bei Loriot im Flugzeug. Immerhin sitzt die Brille jetzt wieder gerade auf der Nase.
"Sind Sie bei allem so fesselnd?" Seit wann kann ich schlagfertig sein?
"Nein, nicht bei allem." Eine leichte Betonung liegt auf dem letzten Wort. "Ist Ihnen etwas passiert?"
"Nein: Gefesselt, Erwürgt, Blind, fehlt nur noch von Terroristen entführt."
"Ich muss auch am Hauptbahnhof heraus. Darf ich Sie zu einem Kaffee einladen?"

Was weiter passiert ist folgt, sowie ich wieder Zeit zum tippen habe. Hoffentlich!

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