Samstag, 27. April 2013
Aha
Ich war verliebt. Ich muss das einsehen. Spät. Und gefährlich. Das jetzt so zu schreiben fällt mir nicht leicht. Ein Selbsteingeständnis immerhin, wie ich es nicht wirklich wollte; das Selbsteingeständnis meine ich, nicht den Sachverhalt an sich. Der ist schöngutbelebend. Bis zu einem gewissen Punkt. Danach hat er mich sprachlos gemacht.

Ich weiß nicht, wie oft ich das schreiben wollte. Ich habe angesetzt - und dann den Text wieder gelöscht. Den Kern des Pudels habe ich nicht getroffen. Mephisto hat mir nicht über die Schulter geschaut. Oft schon habe ich die hier vorformuliert und musste nur noch schreiben und dann waren die Wort weg, als die Finger über der Tastatur lagen. Nichts mehr da. So muss ich jetzt die Chance ergreifen. Gerade kommen die Worte: Verliebt. Ziemlich. Das sollte nicht sein, war es aber. Kann ich sagen, dass es vorbei ist? Ja klar: "es ist vorbei!". Nein, ich denke noch daran. An das Verliebt sein? Oder an Sie! Ja, manchmal, aber selten mittlerweile. Wir hätten uns auch nichts mehr zu sagen. Oder besser ich habe kein Thema mehr mir ihr. Rede ich mir das ein? Nein, was sollte ich sagen? Ja natürlich: "Wie ist es Dir ergangen, so ohne mich?" Warum hast du aufgehört?

Aha, ich komme wieder zurück zu dem Punkt, wo ich durch die Straßen gehen und erzähle. Schau hier, das ist... oder da kannst du sehen ... Mein Umfeld erklärend, wie ein Seelenfremdenführer, der die Hülle präsentiert, aber doch will, dass die Schale zerspringt. Immer wieder. Und doch bleibe ich in meinen Kern: verhüllt. Und ich will das Ende. Und einen Anfang!

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Montag, 2. April 2012
Verwundet
In meinem täglichen Kampf gegen den Antikapitalismus und das Überleben meiner Einheit, sprich Firma, im Krieg der Unternehmen stürmte ich voran. Angriff im Arbeitsmorgengrauen. Früh sein. Den Gegner packen, wenn er noch verschlafen ist. Kurz bevor die Gegenangriffe in Form von Besprechnungen, Anrufen, Störungen ein Sperrfeuer gegen das Vorankommen über den Tag legen, dass ich wenigsten ein paar Meter Boden gewonnen haben und den nächsten Schutzgraben in Sprungweite vor mir sehen kann. Sprung-Auf-Marsch-Marsch höre ich einen beklopten Bundeswehrfeldwebel hinter mir rufen, der wohlwissend, dass man so keine Kriege mehr gewinnt, uns mit Hurrageschrei übers freie Feld laufen lässt und irgend eine Freude dabei zu empfinden scheint. An diesen Irrsinn muss ich immer wieder zurückdenken. Insbesondere, wenn ich, wie jetzt, verwundet daniederliege. ich stürmte also vorann: der Zug naht schon. Ja-das-schaffe-ich-Sprung-auf. Über die Kreuzung, dann scharf links an der Säule festgehalten und die Treepe hinunter. Vorsicht, die neuen Schuhe sind noch glatt! Spurt vierzig meter durch die Unterführung, einen langsamen - der feldwebel hätte hier Zivilunke gesagt - nichtmitkämpfer überholt, dann recht die zu fünfundzwnazig Stufen der (Raucher-)Treppe (Warum eigentlich müssen die Raucher hier racuehn, statt auf dem Bahnsteig, wo sie doch die Kippen danach doch in die Gleises schmeißen?) hinauf und dann Auslaufen lassen in den Reginalexpress, der mich quasi in achtzehn Minuten nach Frankfurt beamt. Ein letzter Sprung auf die Treppe und dann kann ich mein Buch zücken und unglaublich nah und unglaublich laut die Fahrt geniesen - mein Aufatmen bevor mein digitales Schwert zücke.

Ich stehe verwundert auf dem Gleis zwischen Zug und Bahnsteig. Circa neunzig Zentimeter zu tief etwa. Keine Zeit für Panik! Schon im letzten Sprung erschien mir die Lücke zwischen der Einstiegstreppe und der Absprungkante irgendwie zu groß. Dieser blöde Regionalzug ist für tiefliegende Bahsteige gebaut und ein deutlicher Konsruktionsfehler. Der Zug wölbt sich nach außen. Das heißt, dass die unterste Stufe - drei sind es, bis die Höhe meines Bahnsteig erreicht ist - nicht betreten werden kann und lockere fünfundzwanzig Zentimeter vom Bahnsteig entfernt ist. Ich kann da gut darübersteigen, aber was macht eine ältere Person? Oder eine Person in Hektik? Oder eine im Strumangriff, so wie ich? Ich bin danebengetretenabgerutschtaufgeprallt und stehe auf dem Schotter, orientiere mich, dass der Zug nicht Türenschließenlosfahren brüllt und ziehe mich sofort an den immerhin vorhandenen Griffen (das ist ja nicht selbstverständlich bei der Bahn) hoch auf die Stufe auf der ich sowieso landen wolte und steige ein. Die Alternative a: SchreienUndStehenbleiben: war mir zu gefährlich, b: AufdenBahnsteigwältzen zu dreckig, c InsGleisbettlegenunddieZugabfahrtabwarten: zu uneinschätzbar. Ich bin also in der Bahn. Niemand scheint etwas bemerkt zu haben - weder die drei Personen am Einstieg noch jemand auf dem Bahsteig. Zumindest guckt nicht mal jemand dummfragend. Ich hätte das wenigstens getan. Ein "Alles OK?", "Jaja" hätte mich der Hilfe exkulpiert. Ich entschuldige die Personen damit, dass sie schwätzend dastanden und nichts bemerkt haben.

Jetzt atme ich erst einmal. Verdammte Zeitverschiebung. Immer brauche ich eine Woche bis ich das aufgeholt habe. Immer schon ahne ich, dass das unfallträchtig ist. Ich bin einfach morgens zu müde. Auf halber Strcke ergattere ich dann eine Sitzplatz und taste vorsichtig mein Bein ab. Feucht. Durch den Anzug feucht. Ein Taschentuch klemme ich mir unter den Strumpf, damit das Blut vom aufgeschlagenen Schienbein nicht tropft. Später findet mich ein Kollege im Waschraum beim Säubern der Wunde und sagt, ich solle doch zum Arzt gehen. Keine Fünf Minuten später steht er in meinem Büro und fragt wann ich denn Ginge. Elf Emails und vier verblüfft auf die Wunde schauende Kollegen später bin ich weg.

Der Arzt kann sich das Lachen kaum verkneifen, als ich ihn nach meiner Arbeit morgen frage: Das AmMontagsehenwirweiter-Hämatom schmerzt und schwillt. Ich kann vor Schmerzen kaum Denken. Handgroß, drei Zentimeter dick und dunkelpurpurrot ist meine äußerliche Kriegsverletzung. Hochlegenkühlen. Blutgerinselverhinderungsspritzen. Röntgen. Jodsalbe. 600er Schmerztabletten, eine für gleich. Haben Sie Gehstöcke? *Schluck*. Ergo krank.

Die andere Verletzung zeigt sich bald. Ich vegetiere schmerzmittelberuhigt vor dem Fernseher vor mich hin. schaue die letzte aufgenommene Folge Starwars. Mache mir Pläne. Schlafe. Der Fernseher läuft.Ich zappe. Trotz vierstelliger Senderzahl findet sich nichts, was mich interessiert. Die DVDs interessieren mich gerade nicht. Ich bin antriebslos. Ich lasse mich hängen; mache Dadelspiele und komme davon nicht los. Am Abend bin ich zutiefst unzufrieden. Leider mache ich am nächsten Tag so weiter. Und ich fühle mich zutiefst verwundet. Seelisch. Am Wochenende wollte ich doch die Zeit im Joggen steigern, nachdem ich zuletzt jemand zwar locker eingeholt hatte, aber dann ebenso locker vom ihm abgehängt wurde. Daraus wird nichts. Hmm. Ich bleibe auf Fronturlaublazarettheimverschickung.

Und jetzt. "Wenn von dem Hämatom noch etwas übrigbleibt, muss ein Chirurg 'ran, vorerst sind sie noch eine Woche krankgeschrieben."

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Freitag, 16. März 2012
Kopfkreiselgedankendrehen
Es läuft manchmal ganz anders. Umwerfend. Anders umwerfend. Ich komme also zum Treffen. Und schon der erste Ton der Musik in der Kneipe trifft mich hart. Nicht mein Ton. Nicht meine Musik. Zu laut. Eigentlich sollte ich direkt umdrehen. Gehen. Aber meine Verabredungspartner sitzen da. Ich habe doch eigentlich (immer wieder dieses Wort) meine Freude an diesen Treffen. Die Musik wechselt. Ein gutes Lied. Meine Stimmung wechselt mit. Dennoch ist es zu laut für ein ordentliches Gespräch. Wir ziehen uns zurück in einen anderen Raum. Ruhe. Der Abend entwickelt sich. Ich aber bin schachmatt. Mir fällt nichts ein. Ich verfalle ein altes Muster von mir: Trübsal. Kein Wort bringe ich mehr heraus. Trübsal gepaart mit Selbstmitleid. In meinem Kopf kreist alles um sich selbst. Jeder einzelne Gedanke verschwindet in einer eigenen Kondenzstreifenkreiselstaubwolke der eigenen Drehung. Wenn diese Kreisel jetzt demnächst - also gleich - zusammenstoßen, dann weiß ich nicht mehr was ich tue. Ich muss all meine Konzentation aufbringen, um die Kreiselwolken auseinanderzuhalten. Hilfe. Der nächste Kreisel fängt an sich zu drehen. Ein Killerkreisel: Der Mach-was-um-hier-raus-zu-kommen-ganz-egal-was-Kreisel kommt an. Selbstmord, wäre die radikalste Methode. Einfach verschwinden. Puff - weg. Das ist aber kein Ausweg. Aber um herauszukommen muss ich senkrecht zur jetzigen Achse denken. Schnell. Ich stehe auf. Nicht umgewöhnlich. Jemand geht Getränke holen. Noch jemand geht kurz raus. Ich stehe stumm am Tisch. Nicht nur mein Kopf rotiert. Mein Bauch meldet sich jetzt ruhig zu Wort. Geh' und komm' nie wieder! Eindringlich. Ich stehen noch einige Minuten da. Der Tresen ist wohl voll; es kommt niemand zurück. Wenn ich jetzt gehe, sagt mein Kopf, ist es vorbei!, Du wirst nicht mehr der Alte sein. Ein Faden wird gerissen sein. Wiederanzuknüpfen wird schwierig. Ob ich mich traue wiederzukommen wird die nächste Zeit zeigen. Ich bin in der Stimmung alles hinzuschmeißen. Destuktiv - Selbstdestruktiv vor allem. Ich gehe. Keiner sieht mich. Kein Abschied. Kalt hier draußen. Vielleicht würde mich beim nächsten Mal jemand fragen warum ich weg war - wenn ich wiederkomme - falls ich wiederkomme. Autofahren wird jetzt sehr gefährlich. Ich kenne mich doch. Wenn es jetzt noch schlimmer wird, könnte mich kaum eine rote Ampel und keine Geschwindigleitsmessung mehr halten. Davor habe ich Angst. Viel Angst. Dass mein Leben vorbei sein könnte, will ich nicht. Ich will nicht ausrasten. Ich habe Glück im Trübsal. Ich fange mich. Führe Selbstgespräche. Blues bleibt. Ich schreie nicht einmal. Und keine Zweihundertsechzig auf der Autobahn. Ganz normal dahinfahren. Zu früh zuhause. Anders. Jetz muss ich daran arbeiten, wiederzukommen. Zum nächsten Treffen. Zu den umwerfenden Tönen. Zu den Fragen, wo ich plötzlich gewesen war. Die Fäden muss ich wieder knüpfen. Hoffnung.

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Mittwoch, 18. Januar 2012
Ende
Das ist das Problem abstrakter Kunst. Das Ende. Der Anfang ist einfach. Eine Idee oder auch Eingebung. Plötzlich da und irgendwie gut. Skizzen dann. Nachdenken. Farbproben. Es folgt die erste Hürde: die weiße Leinwand. Leer groß. Diesmal bleibt etwa ein Quadratmeter Zielfläche übrig. Ein Quadrat - davon komme ich nicht los. Ich muss das Format einmal leicht modifizieren. Dann - erste Farbe. Die erste Schicht ist Schwierig. Die Leinwand saugt noch zuviel. Die Farbflächen lege ich an. Nur grob, sie werden immer wieder übermalt, um Durchscheinen zu können, oder um Hervortreten zu können. Ausgefranzte Flächen oder vermischte Übergänge. Ich beschränke mich. Krapplackrot mit Schwarz ist das Highlight diesmal. Unerwartet - eigentlich sollte die Farbe zurücktreten. Aber ein Bild ist immer ein Experiment. Ich experimentiere mit mir. mit meinen Emotionen. Sitze immer wieder vor dem Gekleckse und überlege. Das Krapplackrot bleibt! Es ict mein erstes fast weißes Bild, sofern mach 60 Protzent weiß als solches bezeichnen kann. Das habe ich bisher nur als Graphik gesehen. Nun wage ich mich vor. Viel weiße Farbe überdeckt SchwarzBlau und ZitronenUmbraGelb.
Es fehlt noch das Ende. Schwarz muss her. Der finale Streich/Strich. Das kriege ich dann nicht mehr weg. Das ist das Ende. Ich habe Angst. Ich mache ein Modell eines Schwarzen Striches mit Klebeband. Das geht. So etwa. Die Farbe muss noch mit der Schwerkraft laufen! Richtung in das Quadrat geben. Nur darf ich nicht überziehen. Zuviel wäre das andere Ende.

Und jetzt sitze ich da, die Hände voller notdürftig abgewischter, schwarzer Ölfarbe. Und ich weiß nicht, ob ich an Ende bin - mit dem Bild. Morgen werde ich wieder hinsehen, wenn die Farbe getrocknet ist und sich der Terpentingeruch verzogen hat. Bin ich dann wirklich am Ende? Oder muss ich Übermalen? Weitere zehn Schichten? Jedesmal gehe ich mit mehr Herzklopfen hin und prüfe mich selbst, ob ich das jeweilige Ende ertragen kann. Ich habe gelernt langsam zu sein. Nur dem Ende nicht zuviel letzte Farbe zumuten. Es kann soviel zuviel sein, dass ich wieder am Anfang stehe. Wie vor drei Monaten, als die erste Farbschicht kam.

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Samstag, 31. Dezember 2011
zOii - auch nur eine Zahl, aber
Welch ein seltsames Jahr das war. Ich fühle mich so sehr gemischt wenn ich zurückdenke. Doch was bleibt? Endlich arbeite ich wieder etwas, was ich will - also zumindest in dem mir möglichen Rahmen. Gür andere Software erfinden und dabei neue Wege gehen. Architektur im großen, alte Zöpfe abschneiden und dabei neue Methoden einsetzen. Zusammenarbeit (was mir immer wichtig ist) mit dem zusammenstecken unterschiedlichster Fähigkeiten. Im gewachsenen Team ist das plötzlich fruchtbar und fast schon schnell. Ich kann abgeben - nicht dass ich das immer will, aber es tut gut. Aufgabe kommen dann zurück, wenn man meine Fähigkeiten braucht. Die Projekte laufen hervorragend. Ich fühle mich dadurch freier. Es bleibt mehr für mich, sodass ich meine Kreativität wieder entfalten kann.
Und Leidenschaft? So plötzlich eines Morgens bei der Umarmung bekomme ich eine Einflüsterung. So gehe es nicht weiter. Das Bremsen des Selbst sei nicht mehr gut. Besser fühlen wolle sie sich - die Leidenschaft nicht mehr unterdrücken, mehr teilnehmen, nicht mehr bremsen, sich nicht mehr beobachtet fühlen oder zurückweisen. Aha! Aufmerken. Schließlich ginge es auch anders, als dabei an den nächsten Einkauf zu denken oder sonstetwas zu überlegen. Erschütternd. Das geht? Ich konnte das nie. Ganz oder garnicht. Ich bin bei der Sache oder es geht nicht. Verflixt, und ich habe das irgendwie gemerkt. Nie bei der Sache war sie. Mirzuliebe hat sie sich manchmal, aber immer seltener hingegeben, sodass ich die Frequenz mittlerweile in Finger-einer-Hand-Pro-Jahr ausdrücken konnte. Und das sollte sich ändern? Nur zu. Komm schon. Nur zu gerne! Weg mit dm Hormonzeug und wieder die guten alten Kondome nutzten. Und? Es hat sich geändert. Ich kann mitzählen (Anzahl der Kondompackungen statt Einzelereignisse) und habe das Zählen auch bald wieder aufgegeben: Ich wusst egar nicht mehr, wie vereinfacht das Leben wird. Entspannt im wahrsten Sinne und lässiger, beruhigt, streitfrei.
Was war sonst wichtig? Wichtiger als das? Nichts. Nich einmal die lässig-schmachtende langsam walzende Linkskreiseldrehung mit anschließender offener Promenade. Seltsam.

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